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Die barrierefreie Stadt

Die barrierefreie Stadt 1

Altersgerechtes Wohnen ist in einer älter werdenden Gesellschaft ein großes Thema. Doch das Leben findet nicht nur in den eigenen vier Wänden statt. Was können Städte also tun, damit Senioren ein lebenswertes Umfeld vorfinden – ohne Hindernisse? Welche Chancen ergeben sich daraus?

Inhaltsverzeichnis

„Megatrend“ alternde Gesellschaft

Die Gesellschaft altert, der demografische Wandel sorgt für weitreichende Veränderungen der Altersstrukturen. Das ist nicht allein eine Folge, die sich aus der steigenden Lebenserwartung ergibt. Es sind verschiedene andere Entwicklungen, die sich inzwischen nachhaltig auf die demografische Situation auswirken:

  • In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Gesellschaft in Sachen Bildung, Wohlstand und Gleichberechtigung deutlich zum Besseren verändert.
  • Daraus resultierten völlig neue Möglichkeiten für den Einzelnen, vor allem im Hinblick auf die berufliche Selbstverwirklichung.
  • Auf die Strukturen von Familien hat sich dies ebenfalls ausgewirkt. Sie sind über die vergangenen Jahrzehnte hinweg im Durchschnitt kleiner geworden, bzw. Eltern bekommen heute üblicherweise weniger Kinder.

Das Resultat dieser Entwicklungen ist eine Gesellschaft, in der die Gruppe der über 64-jährigen als einzige wächst, wie das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in der Studie „Stadt für alle Lebensalter“ feststellt.

Die geburtenstarken „Babyboomer“-Jahrgänge erreichen inzwischen den Lebensabschnitt, in dem sie sich der Gestaltung ihres Ruhestands widmen können. Die meisten von ihnen, sowie ein großer Teil der noch älteren Menschen ist dabei nach wie vor gesund und vital.

Teilhabe statt Versorgung

Von „Lebensabend“ kann daher kaum mehr die Rede sein; zur Ruhe wollen die wenigsten schon kommen. Vielmehr soll der sogenannte dritte Lebensabschnitt nach der Erwerbstätigkeit aktiv gestaltet werden. Für die Städte und Kommunen ist das durchaus ein Vorteil, denn die Älteren bringen die besten Voraussetzungen mit, um den notwendigen strukturellen Wandel mitzutragen.

Jeder Siebte
wird im Jahr 2050 älter als 80 Jahre alt sein.
Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat

Das gilt sowohl für den Bildungshintergrund wie für die finanzielle Situation. Bei der Planung und Entwicklung altersgerechter Städte kann es deswegen nicht allein darum gehen, die Versorgung der älteren Generationen zu gewährleisten. Es geht außerdem darum, einer immer größeren Zahl an Menschen die Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen.

Die alternde Gesellschaft als Herausforderung für die Stadtentwicklung

Selbstverständlich spielt auch der Versorgungsaspekt eine Rolle. Je älter die Bevölkerung, desto größer ist die Notwendigkeit von Hilfs- und Pflegeangeboten. Umso mehr muss dies in einer Gesellschaft berücksichtigt werden, in der die Zahl der Älteren wächst. Im Bereich der Daseinsvorsorge dürfen Städte und Kommunen die besonderen Bedürfnisse der Senioren nicht außer Acht lassen, sie müssen im Gegenteil schon längst mit im Fokus stadtplanerischer Veränderungen stehen.

Hierfür kann es allerdings keinen „Masterplan“ geben, selbst wenn sich die deutschen Städte anhand ihrer unterschiedlichen Voraussetzungen in Gruppen einteilen lassen:

  • In Groß- und Universitätsstädten beispielsweise ist die Altersstruktur verhältnismäßig jung. Dadurch ist der Handlungsbedarf für die altersgerechte Stadtentwicklung noch weniger akut. Dafür ist die sehr heterogene Zusammensetzung der Bevölkerung (Studierende, junge Familien und Erwerbstätige sowie ältere Menschen) insgesamt umso herausfordernder.
  • In Unternehmensstädten scheint der hohe Anteil von (jungen) Erwerbstätigen die Auseinandersetzung mit dem Thema Alter noch nicht erforderlich zu machen. Perspektivisch betrachtet muss es aber dennoch berücksichtigt werden.
  • Anders verhält es sich in Industriestädten, vor allem nach dem Abgang der Altindustrien, was einen umfassenden Strukturwandel notwendig macht. Für viele junge wie alte Menschen ist ein solcher Standort zunächst unattraktiv, die fehlenden Einwohner schlagen sich wiederum in der Haushaltslage der betroffenen Städte nieder.
  • Ländliche Mittelstädte sind häufig noch stärker von traditionellen Gesellschaftsstrukturen geprägt. Hier werden die Bedürfnisse der Älteren meist noch von den Familien oder nachbarschaftlichen Netzwerken abgefangen. Dennoch sind solche Städte langfristig gefragt, zur Entlastung dieser Netzwerke eigene Initiativen zu gründen.
  • Strukturschwache Städte erleben häufig einen Zuzug älterer Menschen, während gleichzeitig die jüngeren in andere Regionen ziehen. Die wachsende Verantwortung bei der Versorgung stellt hier angesichts schwieriger Haushaltslagen eine umso größere Herausforderung dar.

Damit unter den jeweiligen Voraussetzungen der Wandel hin zu einer altersgerechten Stadt gelingen kann, empfiehlt das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung in seiner Publikation „Stadt für alle Lebensalter“ einige grundlegende Ansätze. Diese lassen sich an die jeweiligen Gegebenheiten und den Bedarf anpassen, um so wichtige Weichen für die Zukunft stellen zu können.

Bevor also konkrete Maßnahmen ergriffen werden können, muss die Ausgangssituation genau erfasst werden. Gleichzeitig sind die Barrierefreiheit und die altersgerechte Umgestaltung in allen Fachbereichen zu thematisieren. Wirksame Maßnahmen und deren strategische Umsetzung lassen sich nur planen, wenn ein übergreifendes Konzept besteht, das beteiligte Akteure ebenso umfasst wie die unterschiedlichen Handlungsfelder.

Ein Ansatz für alle Menschen: Design for All

Eine barrierefreie Stadt ist dabei nicht nur für ältere Menschen attraktiver, sie kommt in vielerlei Hinsicht allen Bewohnern zu Gute. Die Stadt Berlin setzt deswegen bei ihren Überlegungen, Barrierefreiheit zu schaffen, auf ein weiter gefasstes Konzept: Design for All soll eine gebaute Umwelt schaffen, an der jeder Mensch ohne Einschränkungen teilhaben kann.

Produkte, Umgebungen und Dienstleistungen sollen danach so gestaltet werden, dass sie von allen Menschen genutzt werden können, ohne dass eine besondere individuelle Anpassung oder Hilfe notwendig ist.

Die barrierefreie Stadt. Altersgerechte Stadtentwicklung_Infobox

Barrierefreies Berlin mit Design for All

Der Berliner Senat hat mit dem „Konzept Barrierefreiheit“ auch den Design for All-Gedanken fest in die Planungsprozesse der Stadtentwicklung integriert. Dazu gehören die notwendigen Rechtsgrundlagen, die in der Bauordnung für Berlin sowie in verschiedenen Richtlinien festgehalten sind. Mindestanforderungen für konkrete Maßnahmen – etwa die Gestaltung von Aufzügen, Rampen oder Parkplätzen – basieren auf der DIN 18040, die in Berlin in eine technische Baubestimmung eingegangen ist.

Gültigkeit hat das Konzept bei Neu-, Um- und Erweiterungsbauten, es ist außerdem bei Komplettmodernisierungen und erheblichen Nutzungsänderungen von Gebäuden zu berücksichtigen. Die Anleitung zum Konzept regelt zusammen mit den dazugehörigen Handbüchern nicht nur die wichtigsten Fragen (Wer? Was? Wann?) im Planungskontext. Vielmehr sorgt sie dafür, dass die Design for All-Idee im gesamten Planungsprozess in jedem Schritt präsent ist.

Von der Bedarfserfassung bis zur Dokumentation

Dieser Prozess verläuft in fünf Stufen:

  • 1. Die Bedarfsbestimmung
    Es umfasst eine vollständige Erschließung des betreffenden Raums oder Gebäudes, sowohl eine äußere wie eine vertikale und horizontale. Es geht darum, die Anforderungen auf qualitativer und quantitativer Ebene zu erfassen und den Bedarf festzulegen.
  • 2. Die Vorplanung
    Sie legt bereits fest, wie sich der ermittelte Bedarf in verschiedenen Bereichen realisieren lässt. Bezugsgrößen sind dabei die Topographie, die Erreichbarkeit, die horizontale und vertikale Erschließung, die Bewegungsflächen, das Raumprogramm, die Orientierung sowie die Ausstattung.
    Barrierefreie Maßnahmen wie die Gestaltung von Eingängen, Möblierung, Informationssystemen etc. müssen bereits in den Plänen textlich und zeichnerisch abgebildet werden.
  • 3. Die Entwurfsplanung
    Dieser Schritt umfasst die ebenfalls textliche und zeichnerische Darstellung des Konzepts Barrierefrei in den Bauplanungsunterlagen. Dazu gehören vollständige Entwurfszeichnungen, die auf Details der Ausführung und Konstruktion eingehen, gegebenenfalls mit Texterklärungen.
  • 4. Die Ausführungsplanung
    Sie dient vor allem dazu, relevante Details und besondere Konstruktionen in einem geeigneten Maßstab aufzuzeigen.
  • 5. Die Dokumentation und Erfolgskontrolle
    Dies stellt den abschließenden Schritt dar. Hierbei werden die Ergebnisse zusammengefasst. Dazu gehört auch, eventuelle Abweichungen von den vorherigen Plänen zu erklären.

Die barrierefreie Stadt 2

Barrierefreies Konzept für alle Bereiche

Das Berliner Konzept erfordert eine weitreichende Zusammenarbeit von verschiedensten Experten, unabhängig von der Projektgröße. Denn es geht nicht allein um sachgerechte Lösungen, diese sollen auch ästhetischen Kriterien genügen.

Eine Herausforderung dabei ist beispielsweise, die Ansprüche vieler unterschiedlicher Nutzergruppen in eine für alle Beteiligten angenehme Form zu bringen. Der Planungsprozess wird dadurch schwieriger und langwieriger – denn es gilt, die Fachkenntnisse verschiedener Experten in einer einzigen Lösung zu bündeln.

Hinzu kommen die die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Projekte. Umgesetzt wurde Barrierefreiheit bislang an einigen Berliner Schulen, Museen und Gedenkstätten. Wie der öffentliche Raum in seiner Gesamtheit zu einem Raum für alle Menschen werden kann, dafür hat der Senat ein umfassendes Handbuch herausgegeben.

Barrieren identifizieren – und überwinden

Von einer barrierefreien Stadtentwicklung profitieren bei gelungener Umsetzung nicht nur ältere Menschen oder Menschen mit einer Behinderung. Vielmehr wird die Stadt für alle Bewohner leichter zugänglich und einfacher nutzbar. Vor einer so breiten Teilhabe am urbanen Leben stehen aber komplexe Planungsprozesse.

Die barrierefreie Stadt-info1

Das Berliner Konzept für Barrierefreiheit gibt einen Eindruck davon, wie weitreichend die Überlegungen sein müssen, um in der Umsetzung allen Ansprüchen gerecht zu werden. Dazu gehört auch ein Perspektivenwechsel. „Barrierefrei“ bedeutet nicht allein, dass physische Hindernisse aus dem Weg geräumt werden.

Es gilt daher, die vielen verschiedenen Einschränkungen zu identifizieren, die eine ungehinderte Nutzung des öffentlichen Raums erschweren. Die Aufgabe gestaltet sich dadurch umso komplexer. Ihre Lösung trägt langfristig jedoch dazu bei, Städte und Stadtquartiere auch für weitere Personengruppen neben den älteren Menschen lebenswerter zu machen.

Grundlegende „Barrieren“

Tatsächlich ist es gerade diese Komplexität, die sich für das Konzept selbst als Barriere erweist, worauf das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung in „Barrieren in Stadtquartieren überwinden“ hinweist.

  • Der Planungsaufwand ist hoch, in vielen Kommunen fehlen die notwendigen Leitbilder und Verfahren, um Barrierefreiheit vom Nischenthema zum städteplanerischen Standard zu machen. Dazu kommt der größere Aufwand, um verschiedene Fachbereiche und Akteure im Rahmen einer Zusammenarbeit zu organisieren.
  • Barrierefreiheit kann in vielen Stadtquartieren meist nur nachträglich durch Umbauten erreicht werden. Das ist nicht nur ein oft langwieriger Prozess (der sich etwa am Modernisierungsbedarf der Gebäude orientiert), sondern auch ein teurer. Ohne Investitionen ist die Umsetzung barrierefreier Konzepte nicht möglich, die zusätzlichen Kosten stellen für viele kommunale Haushalte aber ein Problem dar.
  • Die bautechnischen Vorgaben, Richtlinien und DIN-Normen, wie sie etwa das Berliner Konzept zur Grundlage hat, lassen sich meist nicht einfach übertragen. Lokale Bedingungen (etwa die Topographie) spielen dabei ebenso eine Rolle wie die Machbarkeit, Wirtschaftlichkeit und Praktikabilität der Lösungen.

Nicht zuletzt haftet dem Begriff „Barrierefreiheit“ vielfach immer noch ein wenig hilfreiches Image an. Das betrifft sowohl die Gruppe von Menschen, denen sie mutmaßlich in erster Linie zu Gute kommen soll wie auch die möglichen Maßnahmen.

Obwohl gerade mit den Älteren ein Teil dieser Gruppe immer weiter wächst, gelten sie in der allgemeinen Wahrnehmung häufig als Minderheit. Dazu kommt eine meist zu eingeschränkte Vorstellung davon, wie weitreichend die Maßnahmen für Barrierefreiheit überhaupt sein können.

Denn auch andere Personengruppen wie beispielsweise Familien mit Kinderwagen, Gehbehinderte oder Menschen mit kognitiven Einschränkungen profitieren von Barrierefreiheit. Nicht zuletzt kann der Begriff auch bedeuten, dass sich eine Stadt für neue Bürger oder Touristen leichter erschließen lässt und leicht zugänglich ist. Im Alltag geht es deshalb um viel mehr, als breitere Türöffnungen oder Rampen statt Treppenstufen.

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Langfristige Herausforderung

Ebenfalls schwer zu vermitteln ist die zeitliche Tragweite von Barrierefreiheit. Was bei der Realisierung verschiedener Projekte leicht zu übersehen ist: Diese stellen keineswegs einen Endpunkt einer Umwandlung dar. Barrierefreiheit ist somit ein langfristiger Prozess, dessen Ziele zwar klar umrissen werden können, deren Umsetzung aber gerade im öffentlichen Raum immer wieder zwischen unterschiedlichen Interessen ausbalanciert werden muss.

Denn häufig erfüllen beispielsweise „gebaute Barrieren“ durchaus ihren Zweck. Sie trennen unterschiedliche Verkehrsräume voneinander und verringern so das Risiko von Unfällen. Sie sorgen für Privatsphäre, reduzieren die Lärmbelästigung oder haben womöglich auch symbolischen Charakter.

Barrierefreie Stadtquartiere

Handlungsbedarf besteht in Sachen Barrierefreiheit in vielen Bereichen, allerdings mit unterschiedlichen Schwerpunkten. Deshalb richtet sich der Blick auch bei der barrierefreien Stadtentwicklung aus gutem Grund auf die einzelnen Quartiere. Zu berücksichtigen ist dabei, dass für ältere Menschen die Quartiersumgebung meist die wichtigste Bezugsgröße darstellt, wenn es um Wohnen und Wohnumfeld geht.

Wie die verschiedenen beschriebenen Städtecluster im größeren Maßstab, unterscheiden sich auch die Stadtviertel in ihren Voraussetzungen. Vor allem anhand der Bebauung und daraus folgenden Infrastruktur lässt sich das leicht ablesen. Die Bandbreite reicht dabei von engen, denkmalgeschützten historischen Innenstädten bis zu Wohngebieten, die vornehmlich aus Ein- und Zweifamilienhäusern bestehen.

Typische Barrieren

Dennoch gibt es übergreifende Handlungsfelder beim Abbau von Barrieren. Diese lassen sich in verschiedene Gruppen unterteilen.

  • Bauliche und räumliche Barrieren sind dabei am ehesten greifbar – im wahrsten Sinne des Wortes. Hier geht es um Stadtentwicklung im engeren, baulichen Sinne, also um die Strukturen, die Ausführung von Gebäuden und Räumen sowie um deren Ausstattung und Gestaltung.
  • Dazu kommen mentale und soziale Barrieren. Diese umfassen etwa die sozialen Nutzungen öffentlicher Räume und das Gefühl von Sicherheit, das sie vermitteln. Es geht hierbei darum, wie gut Informationen zugänglich und Kommunikation möglich ist, wie sehr etwa der Faktor Zeit (bei Öffnungszeiten zum Beispiel) eine Barriere darstellt.

In gleicher Weise gilt das für die notwendigen finanziellen Ressourcen (um etwa am sozialen und kulturellen Leben teilhaben zu können), für gesetzliche Vorschriften sowie für Barrieren, die nur temporär vorhanden sind.

Integrierte altersgerechte Stadtentwicklung

Ein wichtiges Element, um den Perspektivwechsel bei der Planung zu schaffen und die vielfältigen Bedürfnisse älterer Menschen besser einbeziehen zu können, sind integrierte Planungsprozesse. Diese stellen eine in jeder Hinsicht übergreifende Herangehensweise dar, mit der auch die Komplexität des Themas Barrierefreiheit besser erfasst und umgesetzt werden kann.

Die barrierefreie Stadt 3

Instrumente für die Beteiligung älterer Menschen
Obwohl integrierte Ansätze mit verschiedenen Partizipationsangeboten zu einem immer wichtigeren Mittel der Stadt- und Quartiersentwicklung werden, bleiben sie eine Herausforderung. Lösungen entstehen im Miteinander unterschiedlichster Fachbereiche und Akteure.

Gerade im Hinblick auf sinnvolle Beteiligungsverfahren müssen Gewohnheiten und Denkweisen der älteren Menschen ausreichend berücksichtigt werden. Es gilt zu klären, wie und wo ein Informationsaustausch stattfinden kann. Ansonsten baut ein integrierter Planungsprozess nur selbst wieder Barrieren auf.

  • Sprache: Integrierte Konzepte basieren auf sehr heterogenen Akteursgruppen, nicht zuletzt mit verschiedenen Bildungsniveaus. Eine Zusammenarbeit kann aber nur gelingen, wenn es keine sprachlichen Hürden wie Fachbegriffe gibt. Überhaupt sollten sich Fragen und Themen auch in ihrer sprachlichen Ausarbeitung an den Erfahrungswelten der Zielgruppe orientieren.
  • Vertrauen: Die Mitwirkung von Vertrauenspersonen, die den älteren Menschen bereits bekannt sind und zu denen eine Beziehung besteht, erleichtert die Beteiligung. Sie können vor Ort vermitteln.
  • Kommunikationswege und -orte: Was genau „vor Ort“ bedeutet, muss ebenfalls geklärt werden. Beteiligung sollte dort angeboten werden, wo ältere Menschen eine vertraute Umgebung finden.Seniorentreffs und -einrichtungen sowie Vereine bieten dazu einen offenen, informellen Rahmen, der den Zugang zu Themen der Stadtentwicklung zusätzlich vereinfacht.

Die Vielfalt der Beteiligungsinstrumente nutzen

Anhand dieser grundsätzlichen Überlegungen lassen sich vielfältige Instrumente konzipieren, um ältere Menschen barrierefrei an Planungsprozessen zu beteiligen. Diese Variationsfreiheit sollte auch genutzt werden.

Denn zum einen kann es für ein Verfahren sinnvoll sein, die Beteiligung auf unterschiedlichen Wegen parallel zu ermöglichen. Verschiedene Altersgruppen beispielsweise lassen sich so innerhalb eines Planungsverfahrens anhören, nur eben mit den Mitteln, die jeweils am besten geeignet sind.

Dieser Aspekt gilt darüber hinaus auch für die Gruppe der älteren Menschen selbst. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels zeigt gerade sie sich besonders heterogen, was sich etwa im Umgang mit digitalen Kommunikationsmöglichkeiten erkennen lässt. Auch solche Unterschiede innerhalb einer „geschlossenen“ Altersgruppe müssen berücksichtigt werden, wenn passende Beteiligungsinstrumente erarbeitet werden. Während für die jüngeren Senior*innen Onlinebefragungen unproblematisch sind, stellen sie für ältere Generationen ein unüberwindbares Hindernis dar.

Daher müssen schon im Beteiligungsprozess Barrieren erkannt und abgebaut werden, um eine gleichberechtigte Teilhabe aller Altersgruppen gewährleisten zu können. Für ältere Bürger*innen reicht die Auswahl von Spaziergängen über Planungswerkstätten, Seniorenbeiräten und Bürgerforen bis hin zu Bürgerbefragungen.

Die barrierefreie Stadt-info

Die altersgerechte Stadt als Kostenfaktor

Neben den üblichen baulichen Hindernissen, die im Rahmen der Stadtentwicklung zu überwinden sind, stellen die Kosten einen kritischen Faktor für eine barrierefreie Umgestaltung dar. Nach Berechnungen des Deutschen Instituts für Urbanistik (Difu) liegt der Gesamtbedarf für Investitionen bis zum Jahr 2030 bei etwas mehr als 53 Milliarden Euro.

53 Milliarden
Euro bräuchten die deutschen Städte und Kommunen,um bis 2030 Defizite bei der Barrierefreiheit auszugleichen.
Deutsches Institut für Urbanistik

Die wichtigsten Handlungsfelder nach Investitionsbedarf

Die Analyse der Difu-Erhebung im Auftrag der KfW Bankengruppe zeigt dabei deutlich drei zentrale Handlungsfelder, zumindest nach der Einschätzung der Höhe notwendiger Investitionen:

  • Mit 21,1 Milliarden Euro besteht bei der Umgestaltung von Wohngebäuden der größte Finanzbedarf.
  • Für den öffentlichen Personennahverkehr wird mit einem Bedarf von 15 Milliarden Euro gerechnet.
  • Dahinter liegen Straßen und das Wohnumfeld mit erforderlichen Investitionen in Höhe von 13,3 Milliarden Euro.

Damit entfallen mehr als 90 Prozent des Investitionsaufwands auf diese drei Bereiche. Die übrigen Mittel würden für Sportstätten und Schwimmbäder, Pflegeeinrichtungen, Gesundheitseinrichtungen, Verwaltungsgebäude und Kultureinrichtungen aufgewendet werden müssen.

Wie die barrierefreie Umgestaltung finanziert werden könnte

Aus eigener Kraft dürften die Kommunen es kaum schaffen, die notwendigen Mittel für einen derart weitreichenden Umbau der Infrastruktur aufzubringen. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) verweist in diesem Zusammenhang auf die Praxis, nach der Fördermittel derzeit in den kommunalen Haushalten genutzt werden.

Häufig können diese Förderungen zwar gebündelt werden, das reicht aber trotzdem nicht aus, um über einzelne Projekte hinaus die gewünschte Barrierefreiheit voranzutreiben. Damit bleibt fraglich, wie sich diese Umgestaltung als breite und dauerhafte Aufgabe finanziell bewältigen lässt.

Die barrierefreie Stadt 4

Eine Möglichkeit sieht das BBSR darin, etwa bestehende KfW-Programme für den altersgerechten Umbau zu erweitern. Damit könnte beispielsweise nicht nur die Wohnung selbst, sondern auch das Wohnumfeld eingeschlossen werden.

Denkbar wäre auch, bei der Vergabe von Geldern dem bürgerschaftlichen Engagement mehr Gewicht beizumessen. Diese Form der Unterstützung aus der Bürgerschaft ist nicht nur eine der zentralen Stützen für ein integriertes Konzept der altersgerechten Stadtentwicklung. Es bedeutet auch eine Entlastung der Städte und Kommunen.

Bürgerengagement hat vor dem Hintergrund einer dauerhaften und komplexen Aufgabe wie der Barrierefreiheit trotzdem seine Grenzen. Deshalb gilt es, Alternativen zu finden, mit denen der langfristige Wandel erreicht werden kann.

Komplex und notwendig: Barrierefreiheit in den Städten

Bedingt durch den demografischen Wandel müssen sich auch die Städte verändern. Die Bedürfnisse einer größer werdenden Zahl älterer Menschen müssen in der Gestaltung der städtischen Infrastruktur berücksichtigt werden und zwar in allen Bereichen.

Das ist in vielerlei Hinsicht eine gewaltige Aufgabe, denn sie ist komplex und niemals gänzlich abgeschlossen. Auf der anderen Seite bedeutet eine altersgerechte Umwandlung des öffentlichen Raums, der Mobilität, der Verwaltung und vielem mehr gleichzeitig einen allgemeinen Mehrwert.

So steht eine barrierefreie urbane Umgebung allen Menschen offen und lässt niemanden außen vor. Das steigert die Lebensqualität für alle Einwohner*innen und ist zudem ein Argument für den Tourismus. Der demografische Wandel ist voraussehbar und es ist sinnvoll, frühzeitig barrierefreie Konzepte zu erstellen und diesen Punkt in der Stadtplanung stets mitzudenken.

Eine umfassende Umsetzung braucht Zeit – häufig müssen zudem noch funktionierende Lösungen gefunden werden, um die Barrierefreiheit flächendeckend zu finanzieren. Langfristig wird sich dies jedoch auszahlen.

Quellen:

Berlin Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen: Barrierefreies Bauen. Publikationen.
https://www.stadtentwicklung.berlin.de/bauen/barrierefreies_bauen/de/handbuch.shtml

Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung: Stadt für alle Lebensalter. Wo deutsche Kommunen im demografischen Wandel stehen und warum sie altersfreundlich werden müssen.
https://www.berlin-institut.org/fileadmin/user_upload/Stadt_fuer_alle_Lebensalter/BI_StadtFuerAlleLebensalter_Online.pdf

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung: Modellvorhaben zum altersgerechten Umbau von Wohngebäuden, Wohnquartieren sowie der kommunalen und sozialen Infrastruktur.
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/WohnenImmobilien/WohnenStadtentwicklung/ProjekteFachbeitraege/WohnenAlter/Projekte/ModellvorhabenAltersgerechtUmbauen/07_Ergebnisse.html?nn=445838#doc445694bodyText11

Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat: Altersgerecht Wohnen.
https://www.bmi.bund.de/DE/themen/bauen-wohnen/stadt-wohnen/wohnraumfoerderung/altersgerecht-wohnen/altersgerecht-wohnen-node.html

Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung: Barrieren in Stadtquartieren überwinden.
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/ministerien/BMVBS/Sonderveroeffentlichungen/2012/DL_BarrierenStadtquartiere.pdf?__blob=publicationFile&v=2

Dass.: Altersgerecht umbauen – Mehr Lebensqualität durch weniger Barrieren.
http://plan-werkstadt.de/PDF-Dateien/Veroeffentlichungen/Broschuere_Altersgerecht_umbauen.pdf

Dass.: Altersgerecht umbauen – 20 Modellvorhaben.
https://www.bundesbaublatt.de/download/306827/altersgerecht-umbauen-modellvorhaben-broschuere.pdf

Eberlein, Marion/Klein-Hitpaß, Anne: Altengerechter Umbau der Infrastruktur: Investitionsbedarf der Städte und Gemeinden.
https://www.kfw.de/Download-Center/Konzernthemen/Research/PDF-Dokumente-Studien-und-Materialien/Altengerechter-Umbau-der-Infrastruktur_Januar-2013.pdf

Gädker, Julia/Sinning, Heidi/Thalheim, Katharina: 50plus als Zielgruppe der Wohnungswirtschaft und Stadtentwicklung. Systematisierungsansätze, Anforderungen und Handlungsstrategien.
https://www.fh-erfurt.de/fhe/fileadmin/Material/Institut/ISP/PDFs/ISP_2012_50plus_als_Zielgruppe_der_Wohnungswirtschaft_und_Stadtentwicklung_01.pdf

Grimm, Gaby/Kalter, Birgit/Sauter Matthias: Altersgerechte Quartiersentwicklung am Beispiel des Modellprojekts WohnQuartier.
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/verbandszeitschrift/2000_2014/PDF_Dokumente/2011/FWS_3_2011/FWS_3_11_Grimm_Kalter_Sauter_01.pdf

Hafner, Thomas/Wölfle, Gunther: Die barrierefreie Stadt für eine alternde Gesellschaft. Von notwendigen Anpassungen im Bestand zum selbstverständlichen Bestandteil unserer Baukultur.
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/verbandszeitschrift/2000_2014/PDF_Dokumente/2007/FW_3_2007_Die_barrierefreie_Stadt_fuer_eine_alternde_Gesellschaft_Hafner_Woelfle.pdf

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