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Wandel für mehr Nachhaltigkeit

Zukunftsfähige Gewerbegebiete Bild 1

Das Gewerbe braucht Platz, doch der ist in und um die Städte häufig kaum noch vorhanden. Eine nachhaltige Stadtentwicklung macht es zudem schwierig, neue Gewerbeflächen auszuweisen. Aus der städtebaulichen Perspektive bieten Gewerbegebiete im Bestand eine Alternative mit vielen Potenzialen für einen nachhaltigen Wandel, der nicht nur den Unternehmen zugutekommt.

Inhaltsverzeichnis

Ungenutztes Potenzial: Gewerbegebiete im Bestand

Wirtschaftliches Wachstum ist von vielen Faktoren abhängig, der Unternehmensstandort ist darunter ein besonders wichtiger. Denn die Niederlassung ist von enormer strategischer Bedeutung, bei der nicht nur die gegenwärtige Lage, sondern ebenso perspektivische Möglichkeiten berücksichtigt werden müssen.

Auf der anderen Seite liegt es im Interesse der Kommunen, als Wirtschaftsstandort attraktiv zu sein. Angesiedelte Unternehmen bringen Geld in die kommunalen Haushalte und sind ein starkes Argument für den lokalen und regionalen Arbeitsmarkt. Dazu braucht es nicht zuletzt ausreichende Flächen, um Unternehmen überhaupt erst eine Ansiedlung zu ermöglichen.

Gewerbegebiete und die Platzfrage

In den meisten Städten herrscht jedoch ein Mangel an solchen Flächen, zumal es hinsichtlich der Nutzung erhebliche Konkurrenz gibt:

  • Ein zentraler Aspekt ist vielerorts der Wohnraummangel, eine Nachverdichtung ist aber nicht immer ohne weiteres möglich. Baugebiete weichen daher ebenfalls auf die Stadtränder oder die Umgebung aus.
  • Gleichzeitig spielen natürliche oder naturnahe Flächen eine wichtige Rolle für die Lebensqualität der Städte: als (Nah-)Erholungsgebiete und Raum für Naturerlebnisse beispielsweise. Darüber hinaus sind sie unter den Gesichtspunkten Biodiversität und Klimaschutz von unschätzbarem Wert.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Kommunen in städtebaulichen Fragen angehalten sind, den Flächenbedarf zu reduzieren. Das betrifft eben nicht nur Wohnbebauung, sondern genauso neue Gewerbeflächen. Die Wiedernutzung oder Konversion von Industrie- und Bahnbrachen oder früheren Militäranlagen sind deshalb schon lange ein probates Mittel, um benötigte Flächen zurückgewinnen zu können – und zwar ohne eine zusätzliche Versiegelung.

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Nachhaltige Umwandlung im Bestand?

Das Forschungsprogramm Experimenteller Wohnungs- und Städtebau (ExWoSt) des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) hat sich deshalb bereits vor einigen Jahren mit der Frage auseinandergesetzt, wie nachhaltige Stadtentwicklung unter Einbezug bestehender Gewerbegebiete funktionieren kann. Denn während bislang brach liegende Flächen im Fokus nachhaltiger städtebaulicher Erneuerungen gestanden haben, blieben ältere, bestehende Gewerbegebiete oftmals unbeachtet.

Das mag in den meisten Fällen mit dem Aufwand zusammenhängen, der schon im Vorfeld möglicher Umwandlungsmaßnahmen zu betreiben ist. Ablesen lässt sich dieser an den zentralen Fragen, für die das Forschungsvorhaben „Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten im Bestand“ nach Antworten oder wenigstens methodischen Ansätzen gesucht hat:

  • Analyse: Wie ist die gegenwärtige Situation von bestehenden Gewerbegebieten zu beurteilen und welche Bedeutung können diese für eine nachhaltige Stadtentwicklung überhaupt haben?
  • Praxis: Gibt es in der praktischen Umsetzung bereits städtebauliche und instrumentelle Ansätze, mit denen eine nachhaltige Entwicklung der Gewerbegebiete vorangetrieben wird? Welche sind das und an welchen Stellen muss beim weiteren Wandel angesetzt werden?
  • Akteure: Welche Akteure sind bei einer solchen Umwandlung involviert, wer treibt diese voran und welche Kooperationen könnten die Entwicklung weiter stärken?

Um den Nachhaltigkeitsanforderungen gerecht zu werden, stehen nicht allein wirtschaftliche Aspekte im Mittelpunkt möglicher Maßnahmen, genauso wenig wie die ökologischen Dimensionen. Nachhaltige und zukunftsfähige Gewerbegebiete müssen nach den Maßgaben der wirtschaftlichen Tragfähigkeit, der ökologischen Verträglichkeit und unter sozialen Aspekten weiterentwickelt werden. Es gelten also grundsätzlich dieselben Zielsetzungen, an denen sich die nachhaltige Stadtentwicklung im Allgemeinen orientiert.

Die Problemstellung und die Handlungsfelder

Gewerbe und Industrie benötigen Fläche, um sich ansiedeln, ausbreiten und entwickeln zu können. Die gängige Praxis, um dies zu ermöglichen, bestand lange in der Neuausweisung von Gewerbe- und Industriegebieten. Mit der bundesweiten Zielsetzung, die weitere Flächenversiegelung durch Bauvorhaben stark einzuschränken, ist in dieser Hinsicht ein Umdenken erforderlich geworden.

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In den Fokus rücken deshalb zunehmend Gewerbeflächen im Bestand, die verstärkt unter städtebaulichen Perspektiven betrachtet werden. Die Idee ist dabei keineswegs neu. Bereits in den 1980er Jahren galt das wirtschaftliche und wissenschaftliche Interesse der Erneuerung von älteren Industrie- und Gewerbegebieten. Die Fragen damals waren weitgehend identisch mit den heutigen:

  • Wie können untergenutzte oder brachliegende Flächen in bestehenden Gewerbegebieten wieder in ökonomisch, ökologisch und sozial wertvolle Areale umgewandelt werden?
  • Wie lässt sich veraltete technische Infrastruktur auf den neuesten Stand bringen?
  • Was braucht es, um ein meist unattraktives Arbeitsumfeld ansprechender zu gestalten?
  • Wie können die Umweltbedingungen verbessert werden?

Durch gezielte Maßnahmen in den verschiedenen Handlungsfeldern sollten schon vor knapp 40 Jahren Gewerbe- und Industriegebiete geschaffen werden, die für Unternehmen interessante Standortoptionen darstellten, was jedoch nur bedingt gelungen ist.

Nachteile älterer Gewerbegebiete

Laut ExWoSt-Forschungsfeld „Nachhaltige Weiterentwicklung von Gewerbegebieten“ handelt es sich bei bestehenden Arealen häufig um „vergessene Stadträume“. Das bezieht sich allerdings in erster Linie auf die Erneuerungsaufgaben, die vor allem in solchen Gewerbegebieten warten, die schon in den 1960er bis 1980er Jahren entstanden sind. Deren Situation ist vielfach ambivalent.

Einerseits spielen sie eine zentrale Rolle innerhalb der Städte und Gemeinden: Hier finden sich wichtige Arbeitsplätze und Versorgungsmöglichkeiten, die wiederum für das Zusammenleben der Bevölkerung unerlässlich sind – nicht nur in ökonomischer, sondern auch in sozialer Hinsicht.

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Andererseits sind vor allem bei der Infrastruktur altersbedingte Mängel kaum von der Hand zu weisen, dazu kommen weitere Herausforderungen:

  • Die Verkehrsinfrastruktur ist häufig überaltert und wird den Belastungen der aktuellen Nutzung nicht mehr gerecht.
  • Daneben sind die Verkehrsanbindungen nach heutigen Maßstäben vielfach nicht mehr ausreichend oder sie fehlen in der erforderlichen Qualität ganz.
  • Als schwierig erweist sich oft auch die Stellplatzsituation, die nicht mehr an die Mobilitätsanforderungen heutiger Zeiten angepasst ist.
  • Leerstände, Minder- oder Fehlnutzungen sind aus verschiedenen Gründen problematisch, vom drohenden Verfall der Bebauung bis hin zu Imageproblemen. Verschärft werden solche Situationen an vielen Stellen durch Verdrängungs- und Abwanderungsvorgänge von Unternehmen.

Sandra Sieber, Diplom-Ingenieurin, Landschaftsarchitektin und Expertin für Freiraumplanung, weist auf die wichtige Verknüpfung von benachbarten Quartieren und Wohnsiedlungen hin. Auch deshalb ist bei Erneuerungen und Weiterentwicklungen der städtebauliche Aspekt ganz zentral. Die verschiedenen Nutzungsbereiche können nicht getrennt voneinander betrachtet werden, weil sie sich immer gegenseitig bedingen.

Viele Handlungsfelder: Was es für funktionierende Gewerbegebiete braucht

Aus den oben beschriebenen Problemen ergeben sich zugleich die Handlungsfelder, die es für ein gut funktionierendes Gewerbegebiet braucht.

Verkehr

Bei der Verkehrsinfrastruktur verweist die IHK Krefeld in einem Leitfaden zur Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten auf die Notwendigkeit, sowohl die innere (wie gut finde ich mich in dem Gebiet zurecht?) als auch die äußere Erschließung (wie gut erreiche ich das betreffende Gebiet grundsätzlich?) zu verbessern. Das bedeutet beispielsweise Zufahrten, die nicht durch Wohngebiete verlaufen, übersichtliche Wegführung und gute Beleuchtung, von der andere Verkehrsteilnehmer ebenfalls profitieren

Weitere Punkte wären die Anlage einer ausreichenden Zahl ausgewiesener Stellplätze oder die Anbindung der Gewerbegebiete an nachhaltige Mobilitätsformen. Das kann Car Sharing-Punkte ebenso beinhalten wie eine Ladeinfrastruktur für E-Mobilität, einen besseren Anschluss an das ÖPNV-Netz und sichere Rad- und Fußwege.

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Fläche

Wie bei der städtebaulichen Entwicklung von Innenstadtbereichen gilt es auch für Gewerbegebiete, neue Ansätze für den Umgang mit Flächenpotenzialen zu finden. Eine wichtige Rolle spielen dabei unter anderem die Eigentumsverhältnisse. Teilweise gehören Gewerbeflächen privaten Eigentümern, so dass die Kommunen keine Handhabe gegen Leerstände oder mindergenutzte Flächen haben.
Daneben sind die ansässigen Unternehmen gefragt, Flächen optimal zu nutzen – und das ohne zusätzliche flächenmäßige Ausdehnungen.

Attraktivität

Verkehrsinfrastruktur und verfügbarer Raum sind für Unternehmen zentrale Standortfaktoren. Sie bestimmen aber nicht allein darüber, ob ein Ort für eine potenzielle Niederlassung als ausreichend attraktiv empfunden wird. Immer wichtiger wird in diesem Zusammenhang beispielsweise, ob der Arbeitsort den möglichen Arbeitnehmern Perspektiven über den Arbeitsmarkt hinaus bietet. Dazu braucht es verschiedene Voraussetzungen:

  • Die soziale Infrastruktur trägt wesentlich zur Lebensqualität bei. Von der Kinderbetreuung bis hin zu vielfältigen Versorgungsmöglichkeiten und Kulturangeboten sind die Ansprüche von Arbeitnehmern durchaus hoch.
  • Das gilt in gleicher Weise für die (städtebaulichen) Qualitäten des Arbeitsumfelds. Hierauf muss die Bebauung in Gewerbegebieten Antworten finden, zum Beispiel in Form von ökologischen Bauweisen, Grünflächen und attraktiv gestalteten Pausen- und Aufenthaltsbereichen. Gefordert ist hier weniger Funktionalität, dafür mehr Aufenthaltsqualität.
  • Eine zeitgemäße, moderne Infrastruktur kann ebenfalls ein ausschlaggebendes Kriterium sein. Das schließt die schon angesprochenen Mobilitätsfragen ein, bezieht sich aber genauso auf nachhaltige Energiekonzepte und die Breitbandversorgung.

An der Vielfalt der Problemstellungen und Handlungsfeldern lässt sich erahnen, wie groß die Herausforderungen bei der Gestaltung nachhaltiger, zukunftsfähiger Gewerbegebiete sind. Lösungsansätze gibt es aber, wie nicht zuletzt das Modellprojekt „Grün statt Grau – Gewerbegebiete im Wandel“ zeigt. Die entscheidende Frage muss daher lauten, wie sich ein solcher Wandel in der Praxis umsetzen lässt.

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Nachhaltigen Wandel umsetzen I: Akteure und Kooperationen

Leitfäden und Modellprojekte, an denen sich zukünftige Transformationsvorhaben für Gewerbegebiete orientieren können, gibt es inzwischen reichlich. Beispielsweise hatte das ExWoSt-Forschungsvorhaben „Stadterneuerung in bestehenden Gebieten“ schon ab 1989 verschiedene Modellprojekte in Dortmund, Mannheim, Bad Hönningen und Hamburg wissenschaftlich begleitet. Die Forschungsergebnisse zeigen wichtige Punkte auf, die über Erfolg und Misserfolg von Erneuerungsmaßnahmen entscheiden können.

Akteure: Kommunikation, Kooperation und Vernetzung

Als übergreifende Schwierigkeit bei der Umsetzung der genannten Modellprojekte muss der Umgang auf der Akteursebene verstanden werden. Hier gilt es frühzeitig Kontakte zu knüpfen und gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Wie schwerwiegend dieser Aspekt ist, zeigt sich beispielsweise am Projekt Gewerbe- und Industriegebiet Bornstraße in Dortmund:

Die Planungen von kommunaler Seite, die sich in einem städtebaulichen Rahmenplan, einer flächendeckenden Sanierungssatzung, Bebauungsplänen, Altlastenuntersuchungen und einem kooperativen Betreuungsmodell durch einen zuständigen Projektmanager in der Verwaltung niederschlugen, wurden zusammenfassend als „weitgehend fruchtlos“ beurteilt.

Kein Wandel ohne Zusammenarbeit

Die Gründe hierfür finden sich in erster Linie bei mangelnder Kommunikation und Kooperation:

  • In der Planungsphase hatte die Stadt Dortmund versäumt, die ansässigen Unternehmen zu involvieren. Rahmenplanung und „Gestaltleitplanung“ (entwickelt von einem Dortmunder Architektur- und Planungsbüro) sowie andere Vorgaben entstanden daher sozusagen ‚über den Kopf der Unternehmen hinweg‘. Gleichzeitig waren die Pläne insgesamt sehr konkret gefasst, mit wenig Spielraum für eigene Initiativen von Seiten der Unternehmen.
  • Entsprechend gering fielen Akzeptanz und Mitarbeit der Betriebe aus. Gestalterische Beratungen verliefen größtenteils ergebnislos, eine Aufwertung von Betriebsgeländen wurde mit Verweis auf die notwendigen Investitionen zurückgewiesen.

In ähnlicher Weise verliefen die Bemühungen im Gewerbegebiet Bad Hönningen. Dieses konnte zwar in seiner gewerblichen Entwicklung stabilisiert werden, aber ohne nennenswerte gestalterische Verbesserungen.

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Das Projekt Hamburg-Harburger Binnenhafen konnte nach mehrjährigen Anlaufschwierigkeiten schließlich doch noch viele Potenziale als nutzungsdurchmischtes Quartier abrufen. Neben der vergleichsweise günstigen Lage spielten hierbei aber auch die Anstrengungen verschiedener Akteure eine entscheidende Rolle. Die Stadt Hamburg, die TU Hamburg-Harburg und private Projektentwickler haben die Umsetzung des kommunalen städtebaulichen Rahmenplans maßgeblich vorangetrieben.

Das vernetzte Gewerbegebiet

Das Modellprojekt „Gewerbegebiete im Wandel“ sieht in der Zusammenarbeit von Kommunen und Unternehmen daher einen Schlüsselaspekt für den Erfolg. Ein erster Schritt muss aus diesem Grund in Richtung eines „vernetzten Gewerbegebiets“ getan werden. Dies geschieht im Idealfall auf verschiedenen Ebenen.

Die kommunale Verwaltung

Auf der Verwaltungsebene agieren verschiedene Fachbereiche, deren Arbeit und Fachwissen für die Entwicklung nachhaltiger Gewerbegebiete wichtig sind:

  • Im Rahmen der Wirtschaftsförderung können vor allem bereits ansässige Unternehmen erreicht werden, sowohl für eine erste Kontaktaufnahme als auch für eine inhaltliche Annäherung.
  • Kommunen mit eigenen Klimaschutzstrategien können außerdem beratend und unterstützend mit Unternehmen zusammenarbeiten. So lassen sich Möglichkeiten in Bereichen wie nachhaltige Energie oder energieeffizientes Bauen aufzeigen und eventuell mit Förderungen attraktiver machen.
  • Die Abteilungen für Stadtplanungen müssen in einem städtebaulichen Ansatz, bei dem das gesamte Quartier umgewandelt werden soll, ebenfalls involviert werden – schon aus praktischen Gründen, etwa im Hinblick auf die Verkehrsplanung oder den Umgang mit Grünflächen etc.
  • Ein nachhaltiger Wandel beinhaltet üblicherweise mehr grüne Infrastruktur. Die zuständigen Stellen für Umwelt- und Landschaftsplanung können der Kommune dabei helfen, eigene Impulse mit Signalwirkung für die Unternehmen in dieser Richtung zu realisieren. Durch Instrumente wie die Baumschutzsatzung können darüber hinaus gemeinsame Projekte für mehr Begrünung angestoßen werden.

Unternehmensnetzwerke

In der Regel sind Gewerbe- und Industriegebiete überaus heterogene Gefüge, in denen Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen nebeneinander bestehen. Um ein Projekt wie die flächendeckende Erneuerung eines gesamten Quartiers schaffen zu können, reicht ein solches Nebeneinander aber häufig nicht aus.

Von einer Vernetzung der Unternehmen profitieren diese ebenso wie das Quartier als solches. Die wichtigsten Fragen hierbei:

  • Welche Unternehmen eignen sich am besten als erste Ansprechpartner und tragende Säulen eines geplanten Netzwerks?
  • Mit welchen Mitteln soll die Vernetzung umgesetzt werden?

Darüber hinaus sollten von Anfang an der zusätzliche Nutzen für die Unternehmen kommuniziert werden, wenn sie sich an einem derartigen Netzwerk beteiligen: Sie können innerhalb des Quartiers neue Kontakte knüpfen, Synergieeffekte erzeugen (etwa bei Gemeinschaftsverbünden für Energieversorgung und Abfallentsorgung, bei der gemeinschaftlichen Nutzung von Flächen etc.) oder die Zusammenarbeit mit der Kommune stärken, um nur einige positive Effekte zu nennen.

Dazu kommen der Werbeeffekt und der Imagegewinn, der nicht nur auf potenzielle Kunden abzielt, sondern genauso dabei helfen kann, neue Mitarbeiter zu finden und langfristig zu binden.

Gebietsmanager als vermittelnde Instanz

Die Erneuerung und Umwandlung eines bestehenden Gewerbegebietes ist ein Prozess, der Zeit braucht. Damit im Verlauf dieses Prozesses die Kontakte zwischen den Akteuren nicht abreißen und die zu erledigenden Aufgaben – Organisation von Treffen, Beratung der Unternehmen, Vermittlung zu den Fachämtern etc. – nicht unerledigt bleiben, empfiehlt das Modellprojekt „Gewerbegebiete im Wandel“, einen Gebietsmanager zu installieren.

Tatsächlich können die Zuständigkeitsbereiche einer solchen Stelle sehr weitreichend sein und von der Konzeption bis zur Umsetzung reichen. Damit erhalten die Kommunen und die Unternehmen aber einen wichtigen Ansprechpartner vor Ort, der im Zweifelsfall vermitteln kann.

Nachhaltigen Wandel umsetzen II: Aufgaben und Maßnahmen

Die oben beschriebenen planerischen und organisatorischen Aspekte sind Grundvoraussetzungen, um eine nachhaltige Umgestaltung eines gewerblich genutzten Quartiers erfolgreich durchführen zu können. Enge Kooperationen, gute Kommunikation und gemeinschaftlich erarbeitete Pläne sind deshalb so wichtig, weil die Aufgaben und Maßnahmen ungemein vielfältig sind.

Sie lassen sich nach unterschiedlichen Schwerpunkten in jeweilige Kategorien einteilen. Schlussendlich erzielen die möglichen Einzelmaßnahmen ihre Effekte aber in ihrem Zusammenwirken. Vor diesem Hintergrund müssen sie also immer als Teil des Ganzen verstanden werden.

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Wasser, Boden und Klima

Die klimatischen Auswirkungen von Gewerbegebieten unterscheiden sich prinzipiell nur wenig von urbaner Bebauung im Allgemeinen:

  • Ein hoher Grad der Bodenversiegelung und die Bauweisen der Gebäude tragen auch in Gewerbegebieten dazu bei, dass sich sogenannte Wärmeinseln bilden. Die Oberflächen speichern tagsüber die Wärme, die durch Sonneneinstrahlung entsteht, und geben sie nachts wieder an die Umgebung ab. Die Folge sind höhere Durchschnittstemperaturen.
  • Dichte Bebauung beeinträchtigt zudem die Luftzirkulation. Erschwerend kommt ein hohes Aufkommen an Feinstaub und Luftschadstoffen hinzu, die durch die baulichen Gegebenheiten nicht abtransportiert werden können.
  • Dazu erweist sich der Versiegelungsgrad des Bodens auch bei Niederschlägen als problematisch. Regenwasser kann nur noch sehr eingeschränkt im Boden versickern, stattdessen muss die Kanalisation die Aufgabe der Ableitung weitgehend übernehmen – was besonders bei stärkeren Regenfällen nicht immer gelingt.

Um solchen Entwicklungen entgegenzuwirken, gibt es zahlreiche gestalterische Möglichkeiten. So verbessern beispielsweise Dachbegrünungen die klimatischen Bedingungen und sind darüber hinaus in Sachen Biodiversität und Attraktivität eine vergleichsweise leicht umzusetzende Maßnahme. Ähnliches gilt für Fassadenbegrünungen.

Daneben bestehen verschiedene Möglichkeiten, den Boden durch Entsiegelung und Eingrünung zu erneuern. Dadurch gewinnt er einerseits einen Teil seiner Aufnahmefähigkeit bei Niederschlägen wieder, andererseits tragen Baumpflanzungen oder andere Begrünungen zusätzlich zur Klimaverbesserung bei – nicht nur im Gewerbegebiet selbst, sondern auch über dessen Grenzen hinaus.

Flächensparendes Bauen, die gemeinschaftliche Nutzung von verfügbaren Flächen und der Verzicht auf Bodenversiegelungen, wo diese nicht notwendig sind, geben weitere positive Impulse für einen nachhaltigen Wandel.

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Erneuerbare Energien und Energieeffizienz

Im wirtschaftlichen Zusammenhang ist das Thema Energie ein besonders kritisches. Auf der einen Seite steht der hohe Energiebedarf und -verbrauch von Gewerbe und Industrie. Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes lag der Energieverbrauch der Industrie im Jahr 2019 bei 3.821 Petajoule. Das entspricht mehr als 1.000 Milliarden Kilowattstunden.

Auf der anderen Seite stehen große Potenziale, sowohl für Energieeinsparungen als auch für die Energiegewinnung:

  • Energetische Baumaßnahmen senken den Verbrauch, dazu können an vielen Stellen Möglichkeiten der Energierückgewinnung durch Prozesswärme oder -kälte optimiert werden.
  • Gebäude mit großen Dachflächen sind außerdem bestens geeignet, um über Photovoltaikanlagen selbst Energie zu gewinnen. In Verbindung mit Stromspeichern kann die so erzeugte Energie besser für den Eigenbedarf genutzt werden.

Die Kommunen können bei energetischen Maßnahmen beispielsweise mit Beratungsangeboten weiterhelfen. Die können von der Bereitstellung eines Solarkatasters, um die Möglichkeiten des Solarstrompotenzials einer Dachfläche zu überprüfen, bis hin zur Abstimmung von Maßnahmen verschiedener Unternehmen reichen.

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Nachhaltige Mobilität

Die Umgestaltung von bestehender Verkehrsinfrastruktur ist eine große Herausforderung, die aber für Kommunen wie Unternehmen erhebliche Vorteile bringt. Deshalb wird im Rahmen des Projekts „Gewerbegebiete im Wandel“ nicht allein auf das gewerbliche Verkehrsaufkommen geschaut, sondern vor allem auf individuelle Mobilität.

Die besondere Schwierigkeit besteht allerdings darin, verschiedene Mobilitätskonzepte nebeneinander zu etablieren. Mit dem Fokus auf eine nachhaltige Entwicklung sind verbesserte Anbindungen an den ÖPNV, der Ausbau von Rad- und Fußwegen sowie die Förderung der E-Mobilität Alternativen, die nicht nur im Bereich Klima eine wichtige Rolle spielen:

  • Ein nachhaltiges Mobilitätsmanagement trägt erheblich zu einer Verbesserung der CO2-Bilanz der Kommunen bei.
  • Angebote im Bereich E-Mobilität erzeugen einen Werbeeffekt, sowohl für die Städte als auch für die Unternehmen.
  • Die Anlage beziehungsweise der Ausbau des Radwegenetzes kann durch begleitende Begrünungsmaßnahmen zusätzlich die Attraktivität des Quartiers steigern. Gegebenenfalls sind so nicht nur kürzere Verbindungen zu nahegelegenen Wohngebieten möglich, sondern darüber hinaus Anbindungen an regionale oder überregionale Radstrecken – damit rücken Gewerbe-, Wohn- und womöglich Naherholungsgebiete näher zusammen.

Um ein klimafreundliches Mobilitätsmanagement zu fördern, sind Kommunen wie Unternehmen gefragt. Denn eine solche Umwandlung ist nicht allein durch die Bereitstellung der benötigten Infrastruktur zu schaffen.
Sie muss auch aktiv von allen Akteuren gefördert werden. Was braucht es zum Beispiel in den Unternehmen an Ausstattung (Abstellflächen, Spinde, sanitäre Einrichtungen), um den Radverkehr zu unterstützen und wie kann das realisiert werden? Kooperationen für zielgerichtete Maßnahmen sind dabei ein unerlässliches Mittel für das Gelingen.

Nachhaltig und zukunftsfähig: Neue alte Gewerbegebiete

Dass Gewerbegebiete im Bestand schwerpunktmäßig unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit erneuert werden sollen, hat viele Gründe und diese unterscheiden sich kaum von denen, die auch nachhaltige Ansätze in der Stadtplanung als solche erfordern.

Dabei geht es aber nicht allein um ökologische Fragestellungen wie Bodenversiegelung, klimatische Auswirkungen oder die Gefahren für die Biodiversität. Gleichberechtigte Aspekte sind außerdem die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit älterer Gewerbegebiete, die als attraktive Standorte für Unternehmen erneuert werden sollen.

Damit verbunden ist die soziale Komponente: die Bedeutung für die Kommune und ihre Bewohner, die Wirkung auf Arbeitnehmer, die engere Verbindung von Quartieren mit unterschiedlichen Nutzungen. Für die Entwicklung einer Stadt sind erneuerte Gewerbegebiete im Bestand deshalb ein wichtiger Baustein, um insgesamt lebenswerter zu werden.

Quellen:

Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR): Nachhaltige Entwicklung von Gewerbegebieten im Bestand – Endbericht.
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/forschung/programme/exwost/Studien/2013/EntwicklungGewerbegebiete/Downloads/Endbericht.pdf?__blob=publicationFile&v=3.pdf
Ders.: Vergessene Stadträume – Weiterentwicklung von Gewerbegebieten im Bestand. Dokumentation der ExWoSt-Fachkonferenz am 20. und 21. Mai in Berlin.
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/bbsr-online/2020/bbsr-online-02-2020-dl.pdf?__blob=publicationFile&v=1
IHK Mittlerer Niederrhein u.a. (Hrsg.): Zukunftsfähigkeit von Gewerbegebieten. Bausteine und Best-Practice-Beispiele.
https://www.ihk-krefeld.de/de/media/pdf/planen-und-bauen/leitfaden-zukunftsfaehigkeit-von-gewerbegebieten-.pdf
IHK Nordschwarzwald: Leitfaden Nachhaltige Gewerbe- und Industriegebiete der Zukunft.
https://www.nordschwarzwald.ihk24.de/blueprint/servlet/resource/blob/4239084/69d7e048dfcf78e65f232cd979d461a4/nachhaltige-gewerbegebiete-der-zukunft-data.pdf
Mohr, Katharina: „Nachhaltige Gewerbegebiete“ – Chance für Unternehmen, Kommunen und die Natur.
https://www.ihk-ostbrandenburg.de/zielgruppeneinstieg-unternehmer/umwelt/umweltberatung/nachhaltige-gewerbegebiete-4260832
Sieber, Sandra: Gewerbegebiete im Wandel. Wie Gewerbegebiete in Marl, Remscheid und Frankfurt Biodiversität und Klimaschutz verbinden.
http://gewerbegebiete-im-wandel.de/images/PDF/05_Sieber_aus_TranCit_3_2019.pdf
Stadt Karlsruhe Wirtschaftsförderung und Stadtplanung: Unternehmensstandorte zukunftsfähig entwickeln. Flächenpotenziale gewinnen – nachhaltig bauen – Synergien nutzen.
https://www.karlsruhe.de/b2/wifoe/Infomaterial/HF_sections/content/1544523915327/Praxisbericht_Karlsruhe_web.pdf
Statistisches Bundesamt DESTATITS: Energieverbrauch in der Industrie 2019 um 4,0% gegenüber dem Vorjahr gesunken.
https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2020/12/PD20_476_435.html
Wirtschaftsförderung Bocholt: Nachhaltige Gewerbeflächenentwicklung. Leitfaden für Unternehmen.
https://www.bocholt.de/fileadmin/DAM/Fachbereich_30/Dokumente/Gewerbeflaechenkonzept/bocholt_rathaus_stabsstelle_stadtentwicklung_gewerbeflaechen_leitfaden_20200812.pdf
Wissenschaftsladen Bonn e.V. (Hrsg.): Gewerbegebiete im Klimawandel. Leitfaden für Kommunen zur Klimavorsorge.
http://www.gewerbegebiete-im-wandel.de/images/Themenheft_Klimaanpassung_WEB.pdf
Ders.: Mehr Natur im Gewerbegebiet. Leitfaden für Kommunen zur Beratung von Unternehmen.
http://www.gewerbegebiete-im-wandel.de/images/Themenheft_Biologische_Vielfalt_WEB.pdf
Ders.: Nachhaltige Gewerbegebiete. Empfehlungen für Kommunen.
http://www.gewerbegebiete-im-wandel.de/images/PDF/Wila_Gewerbegebiete_Broschuere_Web.pdf

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