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So entsteht die fußgängerfreundliche Stadt


Crowd of people walking in motion in downtown rush hour

Bei der Verkehrsentwicklung in Städten dreht sich die Diskussion derzeit häufig um die Prämisse „weniger Autos, mehr ÖPNV, mehr Fahrräder“. Dabei kommt dem Fußverkehr ebenfalls eine große Bedeutung zu – und zwar nicht nur im Hinblick auf die Mobilität. Wie also kann er neu gedacht und umgesetzt werden, um seiner Bedeutung im Alltag gerecht zu werden?

Fußverkehrsförderung in der Stadt – ein Gewinn für alle


Aerial. People crowd on pedestrian crosswalk. Top view background. Toned image.

Zu Fuß gehen? Selbstverständlich!

Zahlen, Fakten und Trends rund um den Fußverkehr

Zufußgehen ist im Alltag eine Selbstverständlichkeit, im positiven wie im negativen Sinne. Die positiven Aspekte werden bei einem schnellen Blick auf die Zahlen deutlich, die eine Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im Jahr 2019 zusammengetragen hat. Die „Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr“ belegen nämlich Erstaunliches:

  • Täglich gehen die Deutschen rund 93 Millionen Personenkilometer zu Fuß.
  • Dabei werden 22 Prozent der täglichen Wege ausschließlich zu Fuß zurückgelegt.
  • Der Anteil an Menschen über 14 Jahren, die (fast) jeden Tag zu Fuß gehen, liegt bei 41 Prozent – und damit über dem von Fahrrad und ÖPNV.
  • Insgesamt gehen mehr als 80 Prozent der Deutschen ab 14 Jahren gerne zu Fuß, was den Fußverkehr zur beliebtesten Fortbewegungsmethode macht.


Belebte Straßenkreuzung in KoreaCrowd of anonymous people walking on busy city street

Noch erstaunlicher an diesen Zahlen ist die Tatsache, dass viele alltägliche Wege gar nicht berücksichtigt wurden. Vor allem kürzere Fußwege, etwa von oder zu einer Haltestelle des ÖPNV oder zu einem Parkplatz sind bei den Angaben oben noch nicht erfasst. Ansonsten müssten die Werte um weitere 75 Prozent angehoben werden – darauf verweist eine Themenseite der Bundesregierung.

Die Kehrseite der Medaille

Die Analysen zur Mobilität in Deutschland zeigen umgekehrt aber auch anhaltende negative Entwicklungen:

  • Das Wegeaufkommen für den Fußverkehr ist zwischen 2002 und 2017 zurückgegangen, und zwar um 13 Prozent.
  • Während die Zahl der Wege gesunken ist, stiegen die Distanzen an. Das erklärt unter anderem die hohe Leistung an Personenkilometern.
  • Der Fußgängeranteil ist in nahezu allen Altersklassen rückläufig, eine Ausnahme bilden hierbei die mittleren Altersklassen von 30 bis 40 Jahren.
  • Ein ähnlicher Rückgang ist auch bei der Betrachtung der verschiedenen Regionen zu beobachten. Hier stechen die kleinstädtischen und dörflichen Räume zwar besonders hervor, allerdings ist der Abwärtstrend überall zu erkennen.

Diese Zahlen entsprechen kaum der weitverbreiteten Beliebtheit des Zufußgehens, die sich auf alle Altersklassen und alle Räume erstreckt.

Zufriedenheit trotz Verbesserungsmöglichkeiten

Überraschend muss es erscheinen, dass die Zufriedenheit der Fußgänger trotz der beschriebenen Entwicklung des Wegeaufkommens nach wie vor hoch ist. Insgesamt bezeichnen 81 Prozent die Situation für den Fußverkehr an ihrem Wohnort als gut, davon 29 Prozent sogar als sehr gut. Verbesserungen sind dennoch möglich.

In ländlichen Regionen beziehen sie sich vor allem auf das Vorhandensein und die Länge der Wege: Dort sind die Ziele oft schwerer zu erreichen, weil Wege fehlen und die verfügbaren zu lang sind.

In städtischen Räumen hingegen trüben Umwelteinflüsse wie Emissionen und Lärm die Freude am Zufußgehen. Die Förderung des urbanen Fußverkehrs hängt daher in der Regel mit einer attraktiveren Gestaltung der öffentlichen Räume und einer höheren Aufenthaltsqualität zusammen.

Nicht zu unterschätzen: Die Bedeutung des Fußverkehrs

Welche Rolle spielt der Fußverkehr im gesellschaftlichen Alltag?

Abgesehen davon, dass das Zufußgehen ein ganz wesentlicher Bestandteil der täglichen Mobilität ist, bietet es eine Vielzahl von Vorteilen, die weit über Verkehrsaspekte hinausgehen. Das Londoner Ingenieursbüro ARUP hat in Zusammenarbeit mit Experten aus verschiedenen Disziplinen 2016 einen Report veröffentlicht, der insgesamt 50 dieser Vorteile zusammenträgt (der gesamte Bericht des Planungs- und Beratungsunternehmens ARUP steht hier zum Download zur Verfügung).

In „Cities Alive. Towards a walking world” sind die Vorzüge des Fußverkehrs in vier große Abteilungen mit jeweils vier eigenen Bereichen untergliedert. Diese bilden einen Rahmen aus insgesamt 16 Bereichen, in denen sich das Zufußgehen positiv auswirkt oder seine Förderung positive Effekte entwickeln kann.

Diese „Benefits“ lassen sich jedoch nur dann erreichen, wenn sie an konkrete Maßnahmen geknüpft sind. Der ARUP-Report zählt daher viele Beispiele auf, was die Städte und Kommunen in der Praxis tun können, um die vorgestellten Vorteile zu verwirklichen. Wichtig ist dabei sowohl der Blick für größere Zusammenhänge als auch für lokale Lösungen.

SOZIALE VORTEILE
Gesundheit & Wohlbefinden
  • Förderung von aktiven Lebensstilen
  • Adressierung der Übergewichtsthematik
  • Reduzierung chronischer Erkrankungen
  • Verbesserung der mentalen Gesundheit und glücklichere Bewohner
Sicherheit
  • Verbesserung der Verkehrssicherheit
  • Erhöhung der passiven Kontrolle
  • Weniger Kriminalität (siehe Beispiel aus Rotterdam unten)
„Placemaking“
  • Förderung einer lebendigen urbanen Erfahrung
  • Verbesserung des Gefühls für Räume
  • Bestärkung von künstlerischen und kulturellen Initiativen
Sozialer Zusammenhalt & Gleichheit
  • Verbesserung der allgemeinen Zugänglichkeit
  • Förderung der sozialen Interaktion
  • Stärkung der Identität der Gemeinschaft
  • Entwicklung von intergenerationaler Integration
  • Stärkung von Inklusion


パリの商店街

Damit sich der Fußverkehr vorteilhaft auf gesellschaftliche Themen auswirkt, braucht es ein ausreichendes Verständnis für die Zusammenhänge. Nicht immer ist die Verbindung so offensichtlich, wie zwischen aktiven Lebensstilen und einer Gestaltung des öffentlichen Raums, der zum Zufußgehen und mehr Bewegung motiviert.

Der Fußverkehr ist auf verschiedene Strukturen und Voraussetzungen angewiesen, um auf der sozialen Ebene etwas zu bewirken. Die unterschiedlichen Generationen wieder näher zusammenzubringen, erfordert zum Beispiel eine barrierefrei zugängliche, gut vernetzte Infrastruktur der kurzen Wege. Davon können Jung und Alt gleichermaßen profitieren.

Oft werden die Zusammenhänge erst auf den zweiten Blick klar, etwa bei der Frage, wie Fußverkehr zu sinkenden Kriminalitätsraten beitragen kann. Der ARUP Report verweist auf ein Experiment der Polizei von Rotterdam („The Neighbourhood Takes Charge“) aus dem Jahr 2012 aufzeigen. Befragungen unter Einwohnern hatten ergeben, dass saubere Straßen und die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen erhebliche Faktoren für ihr Sicherheitsgefühl waren.

Im Rahmen des Projekts wurde die Straßenumgebung verbessert (etwa durch Aufräumaktionen und das Entfernen von Graffiti) und fußgängerfreundlich gestaltet. In der Folge registrierte die Polizei Rotterdam jedoch nicht allein, dass sich die Anwohner wieder sicherer auf der Straße fühlten. Wie in der „broken window“-Theorie beschrieben, ging auch die Kriminalität (vor allem Drogendelikte, Vandalismus und Diebstahl) in nur zwei Jahren deutlich zurück. Die Verbesserungen im Straßenraum erzeugten also mittelfristig starke Synergieeffekte, die weit über die ursprünglich definierten Handlungsfelder hinausgingen.

ÖKONOMISCHE VORTEILE
Lokale Wirtschaft
  • Stärkung des Wohlstands
  • Unterstützung für lokale Unternehmen
  • Förderung von Kreativität und Produktivität
Stadt-Attraktivität
  • Stärkung der Stadt als Marke und ihrer Identität
  • Antreiben des Tourismus
  • Anreize für Investitionen
  • Anziehen der „creative class“
    Urbane Regeneration
    • Wertanstieg von Land und Immobilien
    • Aufwertung der Straßenfassaden (Renovierungen, Restaurationen etc.)
    Kosteneinsparungen
    • Senken der Staukosten für ineffizient genutzte Infrastruktur
    • Kosteneinsparungen für Bau und Wartung
    • Geringere Gesundheitskosten


    Motion blurred people on shopping street

    Fußgängerfreundliche innerstädtische Umgebungen sind ein echter Wirtschaftsfaktor. Zum Beispiel für den lokalen Einzelhandel und die Gastronomie: Denn je geringer der Anteil des motorisierten Verkehrs, desto größer ist die Aufenthaltsqualität für Fußgänger.

    Das hat auch Auswirkungen auf die Verweildauer, wovon Geschäfte, Restaurants und ähnliche Betriebe profitieren. Die Leute bummeln länger durch die Stadt und geben dabei mehr Geld aus. Tatsächlich sind die öffentlichen urbanen Räume hervorragend dafür geeignet, lokalen und regionalen Händlern einen Platz für ihre Produkte zu bieten – ein Angebot, das zugleich die ansässigen Geschäfte stärken kann.

    Darüber hinaus darf die Außenwirkung einer attraktiven Innenstadt nicht vergessen werden – vor allem für den Tourismus. Im Zusammenspiel mit weiteren Maßnahmen, die das Stadtbild verschönern (etwa durch eine Aufwertung der Fassaden), sind zudem Wertanstiege für Grundstücke und Immobilien zu erwarten.

    Auf der anderen Seite hilft die Förderung des Fußverkehrs dabei, in vielen Bereichen Kosten einzusparen. Das betrifft insbesondere die Ausgaben für den Bau und die Wartung der Verkehrsinfrastruktur, da diese durch Fußgänger deutlich weniger belastet wird als durch Kraftfahrzeuge. Dabei benötigt sie gleichzeitig weniger Platz.

    ÖKOLOGISCHE VORTEILE
    Synergieeffekte
    • Sinkende Abhängigkeit von nicht-erneuerbaren Ressourcen
    • Verbesserung der Landnutzung
    Ökosystem-Leistungen
    • Wirkung gegen Luftverschmutzung
    • Verringerung der Umgebungsgeräusche
    • Verbesserung des städtischen Mikroklimas
    • Mehr durchlässige Flächen für den Abfluss von Niederschlagswasser
    Lebenswertigkeit
    • Verschönerung des Straßenbildes und der öffentlichen Räume
    • Einbindung von Sitzgelegenheiten und Freizeiteinrichtungen
    Transporteffizienz
    • Zurückgewinnung von Raum, der nicht mehr vom motorisierten Verkehr genutzt wird
    • Bestärkung des Paradigmenwechsels weg vom motorisierten Verkehr
    • Förderung flexibler Pendler-Modelle
    • Bessere Vernetzung und Erreichbarkeit durch Fußwege
    • Überbrücken von Barrieren


    people stroll in the summer sunny city park

    Die Auswirkungen auf die Umwelt zeigen sich auf mehreren Ebenen. Denn Zufußgehen ist aus vielen Gründen klima- und umweltfreundlich: keine verbrauchten Treibstoffe, keine Emissionen, kein Lärm, deutlich geringerer Flächenverbrauch sind nur einige davon.
    Die umweltfreundlichere Umgebung wiederum hat unmittelbaren Einfluss darauf, wie lebenswert die Städte wahrgenommen werden. Wo Platz für Fußgänger ist und die Infrastruktur für den Fußverkehr nicht nur ausgebaut, sondern von flankierenden Maßnahmen begleitet wird (wie etwa städtische Begrünungen etc.), steigt die Lebensqualität.

    Darüber hinaus sollte der Beitrag des Fußverkehrs zur Verkehrswende nicht vergessen werden. Effizienz ist hier allerdings an die richtigen Voraussetzungen geknüpft: Eine Alternative zum motorisierten Verkehr wird das Zufußgehen nur dann, wenn es sich beispielsweise unkompliziert in flexible Pendler-Modelle integrieren lässt oder Barrieren im wahrsten Sinne des Wortes überbrückt werden (in Form von Fußgängerbrücken). Der ökologische Nutzen des Fußverkehrs hängt schlussendlich eng damit zusammen, wie attraktiv er in den Städten gestaltet wird.

    POLITISCHE VORTEILE
    Führung
    • Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit
    • Bildung von öffentlichem Konsens
    Urban Governance
    • Mehr Empowerment für Bürger
    • Anreize für die Partizipation verschiedener Stakeholder
    • Bewusstsein für die Verantwortung als Bürger stärken
    Nachhaltige Entwicklung
    • Förderung von nachhaltigem Verhalten
    • Thematisieren der städtischen Resilienz in Krisen
    Planungsmöglichkeiten
    • Unterstützung von Regenerationsprozessen
    • Raum für flexible und Mikro-Lösungen
    • Förderung des kulturellen Erbes


    The High Line, New York, New York

    Politisch ist der Fußverkehr schon allein wegen seiner Anknüpfungspunkte an soziale, wirtschaftliche und ökologische Themenfelder. Er liegt damit in mehreren Schnittmengen, die sich aus den Interessen einer Vielzahl von Akteuren ergibt: Bewohner, Unternehmer, Investoren, Vereine, Initiativen – und selbstverständlich Politiker. Der Fußverkehr lässt sich dabei auf unterschiedlichen Ebenen politisch „einsetzen“:

    • Zum Beispiel als Mittel, um die Wettbewerbsfähigkeit gegenüber anderen Städten zu verbessern: Eine fußgängerfreundliche Stadtentwicklung steigert die Lebensqualität und macht eine Stadt nicht nur touristisch attraktiver, sondern vor allem als Wohn- und Lebensort sowie als Wirtschaftsstandort.
    • Als Möglichkeit, die Partizipation von Bürgern und anderen Interessengruppen zu fördern: Der Report zeigt unter anderem anhand der New Yorker High Line auf, wie Empowerment und Teilhabe wirken können.
    • Zum Beispiel als Bestandteil einer nachhaltigeren Stadtentwicklung, die durch gute Voraussetzungen für das Zufußgehen ein stärkeres Bewusstsein für nachhaltige Verhaltens- und Lebensweisen schafft – und für die Notwendigkeit von mehr Resilienz in der Stadtgestaltung, um klimatisch bedingte Krisen zu überstehen.
    • Als vielfältiges Planungsmittel, mit dessen Hilfe urbane Flächen umgewandelt und umgenutzt werden können (etwa als Parkanlagen wie im Projekt Madrid Río), das flexible, günstige und einfache (auch im Sinne von „temporäre“) Lösungen ermöglicht, und das historisch und kulturell wertvolle Bereiche besser erreichbar macht und zugleich schützt.


    Children go with their mother along the street, holding their hands on the city holiday. Riga, Latvia.

    Fußverkehr als Gewinn für alle

    Die Vorteile des Fußverkehrs sind weit verbreiteter Konsens, weshalb auch das baden-württembergische Verkehrsministerium in einer seiner Broschüren von einem „Gewinn für alle“ spricht. Ganz ähnlich wie im ARUP-Report werden die zahlreichen Argumente für eine Förderung des Fußverkehrs aufgeführt.

    Ein Barrierefreier Fußverkehr ermöglicht selbstbestimmte Mobilität und soziale Teilhabe für alle Menschen. Die fußverkehrsfreundliche Gestaltung der Städte sorgt für mehr Lebensqualität im Wohnumfeld (weil sie gleichzeitig kinder- und familienfreundlich ist), höhere Umsätze in den Innenstädten und eine bessere Verknüpfung der verschiedenen Bereiche im Sinne der „Stadt der kurzen Wege“.

    Damit leistet der Fußverkehr zugleich einen erheblichen Beitrag bei der Umsetzung kommunaler Klimaschutzprogramme. Wenn kürzere Wege von weniger als fünf Kilometern Länge zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurückgelegt werden können, hat das ein enormes Potenzial, um CO2-Emissionen in den Städten zu reduzieren – nicht zu vergessen die vielen anderen Emissionen (Lärm, Stickstoffdioxid etc.).

    Außerdem ist der Fußverkehr ein wesentlicher Baustein für das kommunale Gesundheitsmanagement, das mit ausreichenden Bewegungsangeboten alle Altersklassen erreicht.


    USA, New York, Manhattan streets. Skyscrapers and crowded streets, cars and busy people walking downtown in a spring sunny day

    Annäherungen an die Walkable City

    Bestandsaufnahmen für die fußverkehrsfreundliche Stadt

    Ihre Vorzüge spielt die „Walkable City“ aber nur aus, wenn sie entsprechend gestaltet wird. Grundlage für eine Förderung des Fußverkehrs ist wiederum eine Bestandsaufnahme: Welche Voraussetzungen bietet die Infrastruktur bisher, welche Ziele sollen erreicht werden und welche Mittel sind dazu notwendig?

    Ein zentrales Mittel für diese Analyse sind Fußverkehrs-Checks. Dabei handelt es sich um ein sehr vielseitiges und flexibles Instrument, dass auf Basis von Gruppenbegehungen verschiedene Einblicke liefern kann. Die wesentlichen Ziele eines Fußverkehrs-Checks sind aber immer:

    • die Wahrnehmung des öffentlichen Raums,
    • die Sensibilisierung gegenüber den Herausforderungen sowie
    • die Mitwirkung an konstruktiven Verbesserungen für die Nahmobilität.


    Female tourist on sightseeing tours in the old town.

    Die richtigen Schwerpunkte bestimmen

    Flexibel sind die Checks vor allem deshalb, weil sie sich in ihrem Umfang und ihrer Tragweite an verschiedene Schwerpunkte anpassen lassen. So ist es zum Beispiel möglich, sie als Grundlage für eine weitreichende strategische Vorgehensweise zu machen. Ebenso denkbar ist es aber, eine Analyse für einen einzelnen Straßenzug, einen Platz oder eine Querung durchzuführen.

    Darüber hinaus gibt es diverse Themenfelder – von der Mobilität zu Fuß über die Anknüpfung an den ÖPNV bis hin zur Stadtraumgestaltung – die sich mit Hilfe eines Fußverkehrs-Checks abstecken lassen. Das gilt in gleicher Weise für unterschiedliche Zielgruppen, die bei der Bestandsaufnahme in den Fokus gesetzt werden können.

    Ein wichtiger Faktor ist zudem die Perspektive, die im Rahmen des Checks eingenommen werden soll. Die Binnen-Sicht, die durch eine ortskundige Person getragen wird, bietet viele „Insider“-Informationen. Eine Moderation von außen ist hingegen meist stärker auf die jeweiligen Fragestellungen konzentriert und berücksichtigt auch Lösungsansätze, die lokal bislang unberücksichtigt geblieben sind.



    A guide surrounded by a crowd of turists

    Das richtige Format wählen

    In der Regel verfolgen Fußverkehrs-Checks einen partizipativen Ansatz, bei dem verschiedene lokale Gruppen und Akteure involviert sind. Eine öffentliche Beteiligung ist jedoch kein Muss, wie der Fachverband Fußverkehr Deutschland e.V. betont. Der teilnehmende Personenkreis ergibt sich vielmehr aus den Zielen und Schwerpunkten, die im Vorfeld gesetzt werden.

    Insofern haben die Verwaltungen von Städten und Gemeinden nicht nur die Möglichkeit, das Analyse-Format selbst zu bestimmen. Sie können außerdem aus einem Repertoire die passende Vorgehensweise wählen. Beispiele dafür sind:

    Die Burano-Methode
    Benannt nach der vor Venedig liegenden Insel, auf der diese Methode schon 1972 erstmals angewendet wurde. Sie beruht auf der These, dass in erster Linie qualitative Aspekte auf die sozialen Interaktionen vor Ort wirken. Das Verfahren betrachtet daher die baulichen, sozialökonomischen und zwischenmenschlichen Voraussetzungen.

    Die Methode ist eher für Experten (Architekten, Planer, Mitarbeiter der Verwaltung etc.) gedacht.

    Die „BlitZlicht“-Methode
    Ende der 1970er Jahre entwickelt, bietet diese Methode eine Art Momentaufnahme. Dazu wird eine örtliche Situation für einen kurzen Zeitraum betrachtet. Die Ergebnisse sind dabei weniger auf Genauigkeit ausgelegt, sie sollen einen ersten Eindruck sowie Ideen und Maßnahmenvorschläge liefern. Auf dieser Grundlage können im Nachgang detailliertere Pläne, Gutachten oder eine Gruppenbegehung folgen.

    Das Format umfasst eine Begehung zu einem bestimmten Themenschwerpunkt, durchgeführt von einzelnen Personen. Der zeitliche und räumliche Aufwand ist variabel.

    Die „Stadt wahrnehmen!“-Methode
    Diese vergleichsweise junge Methode wurde erst vor wenigen Jahren an der Technischen Universität Berlin entwickelt. Es handelt sich dabei um eine Begehung mit Betroffenen, das heißt: Die Teilnehmer sammeln auf einem zuvor festgelegten Weg möglichst viele Eindrücke. Ein Protokoll hilft bei der Einschätzung.

    Anschließend gehen die Teilnehmer denselben Weg in Begleitung von einem Moderator noch einmal gemeinsam ab. Dabei ist Gelegenheit, die Wahrnehmungen zu vergleichen und zu diskutieren.



    Crowd of anonymous people walking on busy city street

    Was braucht es für die Walkable City?

    Zentrale Handlungsfelder für die Förderung des städtischen Fußverkehrs

    Die Förderung des Fußverkehrs ist ein umfangreiches Thema mit vielen Facetten. Damit die Umsetzung der „Walkable City“ gelingt, muss entsprechend an mehreren Punkten angesetzt werden.

    Die Gestaltung von Fußwegenetzen, Querungen und Verbindungen – also dem, was allgemeinhin als Infrastruktur verstanden wird – ist dabei nur der Anfang. Fußgängerfreundlichkeit bedeutet nämlich auch, Sicherheitsaspekte ausreichend zu berücksichtigen und Gelegenheiten für Rast, Aufenthalt und Sitzen zu schaffen.

    Vor allem werden die richtigen organisatorischen Strukturen benötigt, die im besten Fall ein kommunales Fußverkehrskonzept tragen können. Dafür wiederum sind Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit unerlässlich, um Akzeptanz zu schaffen.

    Es ist aber bereits mit einigen zentralen Elementen möglich, die Weichen für eine erfolgreiche Fußverkehrsförderung zu stellen:

    Punkt 1:
    Grundsatzbeschlüsse
    Grundsatzbeschlüsse in den Kommunen dienen als Auftrag an die Verwaltung, die Fußverkehrsförderung umzusetzen. Sie enthalten außerdem klare Vorgaben mit Zielen und Qualitätsstandards.
    Punkt 2:
    Partizipation & Kommunikation
    Der Fußverkehr als kommunales Thema sollte alle Akteure von der Politik über die Wirtschaft bis zu den Bewohnern erreichen – mit verschiedenen Formen der Beteiligung und Kommunikation.
    Punkt 3:
    Haushaltsbudget
    Ein Beauftragter und ein eigenes Haushaltsbudget innerhalb der Verwaltungsstrukturen helfen dabei, Projekte einfacher auf den Weg zu bringen.
    Punkt 4:
    Einhaltung von Standards
    Bei der Gestaltung der Gehwege sollten Standards unbedingt beachtet werden: Die geforderte Breite von 2,5 Metern schafft mehr Raum und Sicherheit für Fußgänger.
    Punkt 5:
    Berücksichtigung in Bauvorhaben
    Die Belange des Fußverkehrs werden bei allen Straßen- und Bauvorhaben von Anfang an berücksichtigt.
    Punkt 6:
    Trennung von Rad- & Fußverkehr
    Rad- und Fußverkehr sind wichtige Elemente für die Verkehrswende. Trotz vieler Gemeinsamkeiten bleiben es jedoch zwei unterschiedliche Mobilitätsformen, die leicht in Konkurrenz zueinander geraten. Sie brauchen daher jeweils eigene Angebote.
    Punkt 7:
    Verkehrskontrollen
    Falschparker bedeuten für andere Verkehrsteilnehmer gefährliche Hindernisse. Regelmäßige Kontrollen durch Polizei und Ordnungsamt, insbesondere an Gehwegen und Einmündungen, sind deshalb ebenfalls eine Maßnahme, um das Zufußgehen zu stärken.
    Punkt 8:
    Alternativen zu „Elterntaxis“
    Zu den alltäglichen Problemen zählen in vielen Städten auch die sogenannten „Elterntaxis“. Letztendlich verschlechtern diese die Verkehrssicherheit im Umfeld von Kitas und Schulen. Mit gezielten Maßnahmen – offene Kommunikation, sichere Schulwege, spezielle Elternhaltestellen – kann gleichzeitig ein Beitrag zur aktiven Mobilität geleistet werden.
    Punkt 9:
    Aktions- & Bauprogramme
    Um den vielen Schwerpunkten beim Thema Fußverkehr gerecht zu werden, können gezielte Aktions- und Bauprogramme entsprechende Akzente setzen. Das erleichtert es außerdem, konkrete Zielsetzungen zu erreichen.
    Punkt 10:
    Attraktive Ortskerne
    Ein starker Fußverkehr und lebendige Ortsmitten bedingen einander. Ein Ziel muss es deshalb sein, die Ortskerne attraktiv zu gestalten.
    Punkt 11:
    Grün für den Fußverkehr
    Lange Wartezeiten an Ampeln sind für alle Verkehrsteilnehmer unangenehm, für Fußgänger fallen sie häufig noch mit zu kurzen Grünphasen für eine sichere Überquerung der Straße zusammen. Für eine fußgängerfreundliche Verkehrspolitik sollten in diesem Punkt ebenfalls Verbesserungen vorgenommen werden.

    Qualifizierte Fußverkehrskonzepte gehen selbstverständlich über diese Ansätze hinaus. Es braucht dazu Leitbilder, Prozess- und Qualitätsstandards, Maßnahmenkataloge und ein Qualitätsmanagement. Dennoch zeigen die wenigen aufgeführten Beispiele bereits, dass selbst vermeintlich kleinere Verbesserungen zu einer „Walkable City“ mit all ihren Vorzügen beitragen können.




    Quellen:
    Deutsches Institut für Urbanistik: So geht’s – Fußverkehr in Städten neu denken und umsetzen
    https://difu.de/nachrichten/so-gehts-fussverkehr-in-staedten-neu-denken-und-umsetzen

    Baden-Württemberg/Ministerium für Verkehr: Fußverkehr – sozial und sicher. Ein Gewinn für alle
    https://www.nvbw.de/fileadmin/user_upload/PDF/fuss_radverkehr/Grundlagendokument_Fussverkehr_2017-10-12_END.pdf

    Baden-Württemberg/Ministerium für Verkehr: Auf die Füße, fertig, los! Erfolgreiche Wege zu mehr Fußgängerfreundlichkeit
    https://www.aktivmobil-bw.de/fileadmin/user_upload_fahrradlandbw/Downloads/VM_Leitfaden_kommunale_FV-Foerderung_201020.pdf

    Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur: Mobilität in Deutschland (MiD) – Analysen zum Radverkehr und Fußverkehr
    https://www.bmvi.de/SharedDocs/DE/Anlage/G/mid-analysen-rad-fussverkehr.pdf?__blob=publicationFile

    Umweltbundesamt: Straßen und Plätze neu denken
    https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/421/publikationen/180109_uba_broschuere_strassen_und_plaetze_neu_denken.pdf

    Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS e.V.): Fußverkehrs-Checks / Fußverkehrs-Audits
    https://www.fussverkehrs-check.de

    Fachverband Fußverkehr Deutschland (FUSS e.V.): Handlungsleitfaden „Schritte zur Einführung einer kommunalen Fußverkehrsstrategie“ (Download)
    https://fussverkehrsstrategie.de/hlf.html

    ARUP: Cities Alive: Towards a walking world (Download)
    https://www.arup.com/perspectives/publications/research/section/cities-alive-towards-a-walking-world


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