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Rolle und Einfluss von Gartenschauen als Instrument der nachhaltigen Stadtentwicklung

Heilbronn, Wasserspiele BUGA 2019

Das Konzept der Gartenschauen ist in Deutschland seit mehr als 50 Jahren bekannt. Seither finden sie regelmäßig auf Landes- und Bundesebene statt. Von Anfang an war die Zielsetzung, mit gestalterischen Maßnahmen die Lebensqualität zu verbessern und gleichzeitig lokale oder regionale Entwicklungsziele zu unterstützen. Wie groß ist der Einfluss der Gartenschauen auf die Stadtentwicklung?

Schönere Städte: Gartenschauen für den Entwicklungsschub


Heilbronn

Mehr als Gartenbau

Warum es bei den Gartenschauen nicht allein um Gartengestaltung geht

Das Konzept der Gartenschau ist keineswegs neu, vielmehr kann es auf eine sehr lange Tradition zurückblicken. Vorläufer der heutigen Landes- und Bundesgartenschauen fanden bereits in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts statt – und das sogar mit landesübergreifenden Ambitionen: im Jahr 1865 etwa die Internationale Land- und Gartenbauausstellung in Erfurt oder die Internationale Gartenbauausstellung von 1887 in Dresden.

Mit der Bundesgartenschau in Hannover 1951 entstanden die Austragungen in der heute bekannten Form, auch der Turnus von zwei Jahren wird seitdem fortgeführt.

Die Gartenschauen auf Ebene der Bundesländer weisen zwar keine derart lange Historie auf, bestehen aber als Modell bereits seit dem Anfang der 1970er Jahre. In mehr oder weniger regelmäßigen Intervallen finden die Schauen in jeweils unterschiedlichen Städten statt.


Buga 2021 in Erfurt am Petersberg

Leistungsschau und touristische Attraktion

Obwohl die Gartenschauen seit ihren Anfängen Veranstaltungen mit überregionaler Strahlkraft waren, dienen sie nicht allein touristischen Zwecken. Vor allem bei den Landesgartenschauen spielen bis heute stadt- und regionalpolitische Entwicklungsziele eine wichtige Rolle.

Voneinander trennen lassen sich die beiden Aspekte letztendlich nicht, allein aus wirtschaftlichen Interessen. Die Gartenschauen kosten Geld, das unter anderem über die Eintrittspreise wieder erwirtschaftet werden soll – selbst dann, wenn die Umsetzung in der Regel mit Mitteln aus den Landeshaushalten unterstützt wird. Tourismus und Stadtmarketing sind deshalb durchaus relevante Größen bei der Planung und Austragung.

Insofern sind die Gartenschauen selbstverständlich auch als Leistungsschauen zu verstehen, in deren Rahmen die Vertreter der Gartenbau-Branche zeigen, wozu sie fähig sind.


Bundesgartenschau 2021 in Erfurt.

Nachhaltige Stadtentwicklung

Dass der Spagat zwischen Attraktion und nachhaltiger Entwicklung mit gesellschaftlichem, ökologischem und städtebaulichem Mehrwert nicht immer vollkommen gelingt, ist deshalb ein häufiger Kritikpunkt an den Gartenschauen. Dennoch ist der Entwicklungsgedanke dabei ein zentraler Bestandteil, sollen diese doch – über den Zeitraum der Öffnung hinaus – langfristige Impulse setzen.

Aus diesem Grund finden die Gartenschauen häufig in Gebieten statt, in denen Strukturförderung und Investitionen wirklich notwendig sind. Die Intention ist immer, dauerhaft lebenswertere Städte oder Quartiere zu schaffen. Die entstehenden Parklandschaften sind daher nur ein Teil dessen, was im Rahmen der Gartenschauen in der Regel umgesetzt wird.

Neben den offenkundigen und öffentlich zugänglichen Erholungsgebieten nutzen Kommunen die Gartenschauen auch, um Stadtsanierungsvorhaben umzusetzen. Selbstverständlich ist die Frage legitim, wie gut das in der Praxis funktioniert.


Heilbronn63758 Infografik

Große Ambitionen – große finanzielle Anstrengungen

Wie werden Gartenschauen finanziert?

Die Landes- und Bundesgartenschauen sind große Projekte, die einen hohen finanziellen Aufwand für die veranstaltenden Städte bedeuten. Alicia Storch und Christian Rast stellen deshalb in der März/April-Ausgabe 2018 von „Forum Wohnen und Stadtentwicklung“, die der Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung (vhw) herausgibt, die Herausforderungen im Rahmen der Finanzierung solcher Vorhaben heraus.

Hoher finanzieller Aufwand für die veranstaltenden Städte

Sowohl die zeitlich begrenzte Durchführung einer Gartenschau als Veranstaltung als auch das Erreichen der langfristigen Zielsetzungen sind kostenintensiv. Storch und Rast geben an, dass die Durchführungshaushalte für Landesgartenschauen zwischen hohen einstelligen und niedrigen zweistelligen Millionenbeträgen (in Euro) liegen.

Bei einer Bundesgartenschau muss eher mit einem mittleren zweistelligen Millionen-Haushalt gerechnet werden. Dazu kommen die Investitionshaushalte, mit denen bauliche Maßnahmen für die grüne Infrastruktur, für die Stadtgestaltung oder die Verkehrsinfrastruktur bezahlt werden.

Die Investitionen in die Infrastruktur und Begleitmaßnahmen sind oftmals weitreichend. Hinzu kommen langwierige Planungsprozesse, die Bewerbungskonzepte, Machbarkeitsstudien, Besucherprognosen, Entwürfe für Durchführungs- und Investitionshaushalte, Nachnutzungskonzepte, Marketing und einiges mehr umfassen.

Verschiedene Geldquellen für die Gartenschau

Die hohen Ausgaben bedeuten für die veranstaltenden Städte daher auch, verschiedene Geldquellen zu nutzen. Im Durchführungshaushalt sind folgende Posten am wichtigsten:

  • eigene Haushaltsmittel, die der Stadt zur Verfügung stehen;
  • selbst erwirtschaftete Finanzmittel aus dem Ticketverkauf, Sponsoring, Verpachtung, Merchandising etc.;
  • Fördermittel von Bund und Ländern.

Die Förderung mit Bundes- und Landesmitteln bezieht sich dabei in der Regel auf bleibende Maßnahmen, die im direkten Umfeld der jeweiligen Gartenschau umgesetzt werden. Die Zuschüsse bewegen sich in der Höhe von mehreren Millionen Euro. An der BUGA 2011 in Koblenz etwa beteiligten sich die BUGA GmbH, die Stadt Koblenz und das Land Rheinland-Pfalz jeweils mit Zuschüssen im zweistelligen Millionenbereich. Weil die Bundesgartenschau die ursprünglich kalkulierten Einnahmen deutlich übertreffen konnte, gilt sie trotz der hohen Investitionen als wirtschaftlicher Erfolg.

Beispiele für die Höhe von Fördermitteln der Länder

In Baden-Württemberg wiederum werden die Fördermittel im Rahmen des Landesprogramms „Natur in Stadt und Land“ vergeben. Darin sind zugleich seit 1996 die Grundsätze für die Durchführung von Landesgartenschauen festgehalten.

Das Land steuert bis zu 50 Prozent der Investitionskosten bei. Bis 2036 beläuft sich die Förderung für Landesgartenschauen auf bis zu 5 Millionen Euro. Ähnlich hoch sind die finanziellen Hilfen in Thüringen. Hier erhalten Städte bis zu 5,1 Millionen Euro. In Hessen liegt der Förderumfang für Investitionen bei bis zu 3,3 Millionen Euro. Das Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft und Energie fördert Landesgartenschauen ebenfalls mit bis zu 5 Millionen Euro, der Betrag soll aber in Zukunft auf 6 Millionen Euro erhöht werden.

In der Regel fließen die Fördermittel der Länder in den Investitionshaushalt der Landesgartenschauen ein. Das heißt, sie sind für dauerhafte Maßnahmen vorgesehen, nicht für die Durchführung an sich.


Bundesgartenschau 2021 in Erfurt.

Was die Gartenschauen bewirken sollen

Zielsetzungen und Schwerpunkte für das Gartenschau-Umfeld

Dass Bundes- und Landesgartenschauen nicht allein als Attraktionen für regionale und überregionale Besucher konzipiert sind, wurde eingangs bereits angerissen. Spätestens seit den Gartenschauen der 1970er Jahre gibt es einen starken Fokus auf stadtplanerische Themen mit langfristigen Effekten.

Auch wenn es im Einzelnen Unterschiede gibt (das betrifft etwa die Situation vor Ort oder die Vorgaben der Vergabestellen), orientieren sich die Zielsetzungen immer an einigen wesentlichen Schwerpunkten:

  • Unternehmen aus der Branche des Garten- und Landschaftsbaus sollen gefördert werden.
  • Die überregionale Bekanntheit der Stadt soll erhöht und die regionale Wirtschaft gestützt werden.
  • Die betreffenden Städte bzw. Stadtquartiere sollen durch ihre Aufwertung – vor allem durch neu entstehende Freiräume und Grünanlagen – mehr Lebensqualität für die Bewohner bieten.

Die hohen Durchführungs- und Investitionshaushalte erklären sich aus diesem breiten Bündel an Zielen und den damit verbundenen Maßnahmen. Städtebau, Tourismus und die Entwicklung ländlicher Räume – alle diese Themen laufen im Rahmen einer Gartenschau zusammen. Gleichzeitig werden diese Gelegenheiten genutzt, um bereits bestehende Pläne für die Stadtentwicklung stärker voranzutreiben. Denn im Idealfall zeigen die Schauen auf vielfältige Weise ihre (langfristige) Wirkung.


Städtebauliche Effekte

Eine Gartenschau führt immer zu deutlichen Veränderungen im Stadtbild: neue Grünflächen und Freiräume entstehen ebenso wie neue Gewerbe- und Wohnquartiere.

Schon wegen der Sichtbarkeit dieser Entwicklungen ist der Effekt von Gartenschauen in puncto Städtebau und Regionalentwicklung besonders groß. Abgesehen davon wirken die umgesetzten städtebaulichen Maßnahmen in der langfristigen Perspektive. Es geht eben nicht nur um Landschaftsgestaltung – sondern um das Schaffen neuer städtischer Lebenswelten.

Touristische Effekte

Für den Tourismus hat eine Gartenschau zunächst einen unmittelbaren Effekt: Das Konzept lockt regelmäßig mehrere hunderttausend Besucher an, eine Bundesgartenschau besuchen sogar bis zu drei Millionen Menschen.

Im Idealfall steigert das die Bekanntheit der veranstaltenden Stadt nachhaltig. Um einen langfristigen touristischen und ökonomischen Effekt zu erzielen, reicht ein attraktives Gartenschaugelände aber nicht aus. Dazu braucht es auch entsprechende Angebote (etwa für die Beherbergung) und Investitionen in die Infrastruktur.

Landschaftsgestaltung im Garten gartenbau gala gartengestaltung
Wirtschaftliche Effekte

Selbstverständlich ist der Tourismus für sich genommen bereits ein Wirtschaftsfaktor. Bei der Umsetzung und Durchführung einer Gartenschau sind aber noch viele weitere Branchen involviert, vom Baugewerbe bis zu Marketing-Firmen.

Insofern ist eine Gartenschau sowie alle damit verbundenen Aufträge immer auch als Impuls für die Wirtschaft zu betrachten, von der vor allem regionale Unternehmen profitieren sollten. Dazu gehört etwa die Möglichkeit, sich für überregionale Aufgaben zu empfehlen oder neue Partnerschaften zu schließen.

Politisch-psychologische Effekte

Ein zentraler Bereich, in dem Gartenschauen für die veranstaltenden Städte ihre Wirkung entfalten, ist das Stadtmarketing. Es gilt, das überregionale Interesse zu nutzen, um sich nicht nur als touristisch wertvoll zu zeigen.

Vielmehr bietet sich im Zuge einer Gartenschau die Gelegenheit, sich als lebenswerte, wandlungsfähige und moderne Stadt/Region zu präsentieren, die sowohl ihren Bewohnern als auch Unternehmen viel zu bieten hat.

Landschaftsgestaltung im Garten gartenbau gala
Sozio-kulturelle Effekte

Lassen sich ökonomische Auswirkungen noch leicht messen, sieht es bei der Wirkung auf die Bürger einer Stadt schwieriger aus. Hier geht es um Fragen der regionalen, sozialen und kulturellen Identität: Wie stehen die Einwohner zu den Veränderungen? Wie sehr tragen sie diese mit? Wie weit decken sich die Planungen mit dem eigenen Selbstverständnis?

Integrative Planungsansätze, die Bürger und lokale/regionale Institutionen und Organisationen einbinden, sollen für Akzeptanz und eine starke Bindung zur Gartenschau zu sorgen.

Physisch-ökologische Effekte

Das Schaffen von neuen Grünflächen oder das Umwandeln von Brachen haben nicht nur einen großen Effekt auf das Stadtbild. Sie spielen auch im Hinblick auf ökologische Aspekte eine immer wichtigere Rolle.

Denn die Grünanlagen und Pflanzungen tragen schließlich nicht allein dazu bei, die Umgebung schöner zu gestalten. Sie haben auch eine Funktion für das Stadtklima, für den Bodenschutz und für die Biodiversität.
Die ökologischen Effekte sind sehr vielfältig und deshalb von besonderer Bedeutung.


stadt.weiter.bauen – Vorbereitungen für die Landesgartenschau in Landau 2015

Obwohl die Wirkung einer Landesgartenschau überregional sein soll und die Öffnung für das Publikum unbedingt dazugehört, geht es vor allem um die langfristige Perspektive. Um die damit verbundenen Ziele der Stadtentwicklung besser vermitteln zu können, setzte die Stadt Landau auf einen breiten Austausch.

Deshalb wurden einerseits verschiedene Schwerpunkte entwickelt:

  • wohnen.zukunft.gestalten
  • grün.stadt.wandeln
  • stadt.land.vernetzen
  • bestand.neu.leben
  • landau.quer.denken

Diese Themen wurden mit Hilfe unterschiedlicher Veranstaltungsformate für Interessierte aufbereitet. Der Bezug variierte von lokalen über regionale bis hin zu landesweiten Inhalten.

Neben klassischen Formaten wie Vorträgen, Führungen oder Ausstellungen wurden auch Bürgerwerkstätten, Stammtische und Mitmachangebote für verschiedene Zielgruppen angeboten. Auf diese Weise sollten möglichst viele Menschen die Gelegenheit bekommen, sich an den Diskussionen rund um die Stadtentwicklung in Landau aktiv zu beteiligen.

Die Landesgartenschau in Landau hat mit ihrem innovativen Ansatz gezeigt, wie sozio-kulturelle Effekte bereits im Prozess aktiviert werden können. Durch das frühe Einbinden von Akteuren und Bürgern wurde es möglich, die stadtplanerische Seite einer Landesgartenschau besser zu vermitteln – und über diese hinaus das Interesse an weiteren Entwicklungen in der Stadt zu wecken.

Vorgaben für die Bewerber-Städte

Die genannten Aspekte finden sich als Ziel-Formulierung auch in den Vorgaben, die die Länder den Städten machen, die sich als Austragungsort einer Landesgartenschau bewerben möchten. Im oben bereits erwähnten Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“ des baden-württembergischen Ministeriums für ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz sind übergreifende und spezifische Ziele definiert.

Sie können stellvertretend für die Grundsätze ähnlicher Förderprogramme in anderen Bundesländern verstanden werden:

Grundlegend sollen die Landesgartenschauen zur dauerhaften Sicherung, Vernetzung und Erweiterung von vorhandenen Freiräumen beitragen. Sie sind dazu gedacht, die überregionale Bekanntheit zu steigern und die Voraussetzungen für weitere Investitionen und Arbeitsplätze zu schaffen.

Konkreter nennt das Programm folgende Ziele bzw. Maßnahmen:

  • die Gestaltung von Freiräumen und das Einrichten neuer dauerhafter Grünzonen im Siedlungsbereich (für vielfältigere Freizeitgestaltung, Naherholungsangebote für Familien sowie für die Verbesserung von Stadtklima, Luftqualität und der ökologischen Qualität der Flächen);
  • die Verbesserung der innerörtlichen Strukturen (moderne Verkehrsanlagen, Hochbau-, Tiefbau- und Denkmalschutzmaßnahmen);
  • die Gestaltung von Landschaftsräumen (unter Berücksichtigung ihrer verschiedenen möglichen Funktionen);
  • die Weiterentwicklung der Gartenkultur;
  • das Etablieren einer Plattform für Kultur- und Informationsveranstaltungen;
  • die Unterstützung von Eigeninitiativen und lokalen Vereinen;
  • die Förderung der lokalen und regionalen Wirtschaft.

Weitere Vorgaben betreffen die Planung inklusive der Auswahl der Flächen, die Durchführung von Ausstellungen und Veranstaltungen, die Anbindung an das Verkehrsnetz, die Finanzierung, den Flächenbedarf und die Zeitdauer. Ein wesentlicher Aspekt ist außerdem die Nachnutzung durch die Bürger, denn diese muss langfristig gewährleistet sein.


Aerial View of Ehrenbreitstein fortress and Koblenz City in Germany during sunset.

Was die Gartenschauen tatsächlich bewirken

Tragen Landes- und Bundesgartenschauen wirklich positiv zur Stadtentwicklung bei?

Weder die umfassenden Vorgaben für die Bewerber-Städte noch der wirtschaftliche Erfolg der Durchführung sind ausreichende Indikatoren dafür, ob eine Gartenschau die gewünschten Impulse für die Stadtentwicklung setzen konnte. Denn hier kommt es auf die langfristige Perspektive an.

Dass beispielsweise für die Dauer einer Landes- oder Bundesgartenschau die Übernachtungszahlen in der austragenden Stadt steigen, ist noch kein Beleg für eine nachhaltige Belebung des Tourismus. Andere Effekte lassen sich noch schwerer messen oder werden erst mit zeitlicher Verzögerung sichtbar.

Das gilt etwa für die Akzeptanz der Gartenschau und ihrer Nachnutzung. Die Identifikation der Bürger mit einem solchen Projekt ist schwieriger zu erfassen als Besucherzahlen in der Stadt. Für den Erfolg oder Misserfolg ist aber gerade die Wirkung auf die Bürger ein entscheidender Faktor.


empty pathway with sun in Koblenz in Germany

BUGA 2011 Koblenz: Folgeinvestitionen

In der Vorbereitungsphase der Bundesgartenschau in Koblenz, also zwischen 2007 und 2011, gab es laut IzR-Praxisbericht Folgeinvestitionen in Höhe von rund 315 Millionen Euro. Andere Schätzungen gehen sogar von Gesamtinvestitionen von ca. 500 Millionen Euro aus.

Damit wären durchschnittlich rund 100 Millionen Euro jährlich in die Umsetzung von städtebaulichen Projekten geflossen

Erfolgsbeispiel BUGA 2011 Koblenz

Die nachträgliche Betrachtung der BUGA 2011 in Koblenz zeigt immerhin, dass das Potenzial für langfristige Entwicklungsimpulse definitiv vorhanden ist. In der vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) veröffentlichten Fachzeitschrift „Informationen zur Raumentwicklung“ (IzR) wurde im Rahmen eines Praxisberichts die Frage erörtert, warum diese Bundesgartenschau als erfolgreiches städtisches Großprojekt betrachtet werden kann.

Dieser Erfolg hat aber viele Gründe, die die Autoren des Praxisberichts anführen:

Kommunikationsmanagement & Öffentlichkeitsarbeit

Um der anfänglichen Skepsis im Stadtrat und bei den Bürgern zu begegnen, wurde auf offene und transparente Planung und Kommunikation gesetzt. Arbeitskreise mit verschiedenen Themenschwerpunkten gaben lokalen Akteuren die Möglichkeit, die Planung aktiv mitzugestalten. Die Beteiligung wurde durch weitere Angebote gefördert, deren Anregungen und Ergebnisse wiederum in die Umsetzung konkreter Projekte einfloss. So konnten Kinder und Jugendliche beispielsweise in Workshops maßgeblich an der Gestaltung von Spielplätzen und Skate-Parks mitwirken.

Ähnlich wie in Landau wurden unterschiedliche Ansätze genutzt, um eine inhaltliche Auseinandersetzung über die Stadtentwicklung im Zuge der Bundesgartenschau zu fördern. Auch andere Projekte wie der „transparente Bauzaun“ trugen dazu bei, die Belange und Bedürfnisse der Bürger stärker zu berücksichtigen: Einerseits konnten gesicherte oder schon fertiggestellte Bauabschnitte schneller wieder zugänglich gemacht werden. Andererseits konnten die Koblenzer sich auf diese Weise jederzeit über den aktuellen Fortschritt der oft umfangreichen Baustellen informieren. Diese wurden sogar als eine Art Kommunikationsplattform genutzt – für Baustellenführungen, Ausstellungen und Feste.

Zusammen mit digitalen Begleitangeboten wurde den Bewohnern von Koblenz das Konzept der Bundesgartenschau, die damit verbundenen Maßnahmen sowie die Perspektiven für Grünflächengestaltung und Stadtentwicklung nähergebracht. Vorbehalte konnten so vielfach schon im Entstehungsprozess ausgeräumt werden.

Stadtentwicklung & Folgeinvestitionen

Hinsichtlich der Umsetzung von städtebaulichen Plänen hat die BUGA 2011 in Koblenz laut Praxisbericht viele wünschenswerte Impulse geben können. Eine große Zahl an Stadtentwicklungsprojekten erhielt in diesem Zusammenhang noch einmal einen stärkeren Fokus, außerdem ergaben sich Synergien mit anderen Vorhaben, die nicht unmittelbar zur Bundesgartenschau gehörten.

Der Start zahlreicher geplanter, aber noch nicht begonnener Projekte konnte durch mögliche Anknüpfungspunkte an die BUGA-Planungen vorgezogen werden. Dadurch konnten positiven Effekte früher generiert werden, sowohl in städtebaulicher als auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Und diese Effekte sind messbar. Vor allem anhand der Folgeinvestitionen, die zwischen 2007 und 2011 im Zusammenhang mit der BUGA zustande kamen (siehe Infobox).

Nachhaltige Wirkung für die Stadtentwicklung

Insgesamt kann die BUGA 2011 Koblenz als Positivbeispiel für die Wirkung von Gartenschauen auf die Stadtentwicklung gewertet werden. Neue städtebauliche Qualitäten, neue Nutzungen, strukturelle Verbesserungen, private Investitionen, verbessertes Image und hohe Akzeptanz seitens der Bewohner – die gängigen Ziele, wie sie allgemeinhin für Landes- und Bundesgartenschauen vorgegeben werden, konnten in Koblenz erfüllt werden.

Das Beispiel zeigt aber auch, dass der Erfolg wesentlich von einer funktionierenden, zielgruppenorientierten und offenen Kommunikation abhängt. Die frühzeitige Einbindung von Bewohnern, lokalen Akteuren und Organisationen in Planungs- und Umsetzungsprozesse sorgt dafür, dass diese Gruppen ein Großprojekt wie eine Gartenschau langfristig mittragen.

Quellen:

Rast, Christian/Storch, Alicia: Gartenschauen als Instrument der Tourismus- und Stadtentwicklung (in: Forum Wohnen und Stadtentwicklung vhw FWS 2/März – April 2018)
https://www.vhw.de/fileadmin/user_upload/08_publikationen/verbandszeitschrift/FWS/2018/2_2018/FWS_2_18_Rast_Storch.pdf

Stadt Landau in der Pfalz: stadt.weiter.bauen. – Perspektiven für Landau und die Region
https://www.landau.de/Leben-Wohnen/Stadtentwicklung/stadt-weiter-bauen/

Ministerium für ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz Baden-Württemberg: Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“. Grundsätze für die Durchführung 2015-2025
https://mlr.baden-wuerttemberg.de/fileadmin/redaktion/m-mlr/intern/dateien/PDFs/Ländlicher_Raum/Landesprogramm_Natur_Stadt_Land-Grundsaetze_Durchfuehrung2015-2025.pdf
Durchführungsgrundsätze für die Zeiträume 2026-2030 sowie 2031-2036 unter:
http://mlr.baden-wuerttemberg.de/de/unsere-themen/laendlicher-raum/foerderung/landesgartenschauen/

Beschaffungsdienst GaLaBau (Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau): BUGA Koblenz 2011 hat sich finanziell selbst getragen – Einnahmen decken Mehrkosten des Schienenhaltepunkts und gleichen Durchführungskosten aus
https://www.soll-galabau.de/aktuelle-news/ansicht-aktuelles/datum/2012/06/29/buga-koblenz-2011-hat-sich-finanziell-selbst-getragen-einnahmen-decken-mehrkosten-des-schienenha.html

Faas, Hanspeter/Deutsch, Uta/Trocha, Georg: „Koblenz verwandelt“ – Warum ist die BUGA Koblenz 2011 ein erfolgreiches städtisches Großprojekt? Ein Praxisbericht
https://www.bbsr.bund.de/BBSR/DE/veroeffentlichungen/izr/2012/11_12/Inhalt/DL_FaasDeutschTrocha.pdf?__blob=publicationFile&v=2

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